Das ZDF hat Grund zum Feiern. In der Show „50 Jahre ZDF-Hitparade“ nimmt Thomas Gottschalk die Zuschauer am Samstag ab 20.15 Uhr mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Kultformats. Gut 30 Jahre lang hat die Sendung ab 1969 die deutsche Musiklandschaft geprägt wie keine andere. Wer sich für Schlager interessierte, kam in der Ära vor Youtube nicht an ihr vorbei.
Der einstige Moderator Dieter Thomas Heck starb 2018. Er ist zum Auftakt in einem Einspieler mit seiner legendären Anmoderation zu sehen und zu hören: „Hier ist Berlin. Das Zweite Deutsche Fernsehen präsentiert Ihnen Ausgabe Nummer eins der Hitparade!“ In diesen Sekunden dürften sich viele Zuschauer ins elterliche Wohnzimmer von damals zurückversetzt fühlen. Als Kinder und Jugendliche haben sie die „Hitparade“ immer samstags nach dem Baden angeschaut, verrieten Fans vor der Aufzeichnung in Offenburg. Sie seien gekommen, um die Helden ihrer Jugend wiederzusehen. „Wenn wir hier nachher rausgehen, sind wir 20 Jahre jünger“, prophezeite ein 65-jähriger Zuschauer.
Vor einem halben Jahrhundert setzte die Hitparade einen Kontrapunkt zur Beatmusik. „Mister Hitparade“, wie Heck bald genannt wurde, war ein überzeugter Schlager-Fan und wollte deutschsprachiger Musik eine Plattform bieten. Die „Hitparade“ war in mehrfacher Hinsicht innovativ: Das Studiodesign war funktional-modern, die Stars sangen inmitten der Zuschauer live zu Instrumental-Playback, das von einem Pult im Studio gesteuert wurde.
Die Show war auch Abbild der sich wandelnden Musikszene. In den Achtzigern öffnete sich die Show englischsprachigen Interpreten und führte Vollplayback ein, bevor das Format in den Neunzigern wieder zu deutschem Live-Gesang zurückkehrte. Im Jahr 2000, nach 368 Ausgaben und zwei weiteren Moderatoren – Viktor Worms und Uwe Hübner – war dann Schluss. Optisch orientiert sich die Jubiläumsshow an den Anfängen der Hitparade. Mit einem Unterschied: Gottschalk hat eine Couch mitgebracht. Von hier aus führt er gewohnt locker durch den Abend und empfängt Gäste, von denen einige durch die Hitparade einem Millionen-Publikum bekannt wurden. Etwa Marianne Rosenberg, die mit 14 Jahren ihren ersten Auftritt in der „Hitparade“ hatte. Auch Howard Carpendale, der 57 Mal in der „Hitparade“ sang, gehört zu den Gästen. Für ihn sei die Sendung wie ein Familientreffen gewesen. Wer in dieser Familie das Oberhaupt war, wird ebenfalls deutlich: Dieter Thomas Heck habe man alles zu verdanken, sagt Michael Holm.
Musik darf beim „Hitparade“-Geburtstag nicht fehlen. Wencke Myhre, Bonnie Tyler, Bernhard Brink, Matthias Reim, David Hasselhoff und weitere geben ihre Hits zum Besten. Da zeigt sich selbst Gottschalk, der nicht gerade als Schlager-Fan bekannt ist, am Ende geläutert. Er habe sich gefragt, ob eine Schlager-Show seiner Karriere schaden könne, hatte er noch gewitzelt. Zum Schluss verspricht er, auch für die Gala zum 75. zur Verfügung zu stehen. Die Fans hätten nichts dagegen: „Der macht’s halt immer super“, sagte eine Zuschauerin. Und der 65-jährige Fan vom Anfang korrigierte seine Aussage: Nicht 20, sondern 25 Jahre jünger seien er und seine Frau jetzt.