Eine Frau, die bekam, was sie wollte

von Redaktion

Erinnerung an Hannelore Elsners private Seite

VON ZORAN GOJIC

Es war ja dann doch so – man konnte ihr nicht böse sein. Wie auch? Hannelore Elsner konnte ein klein wenig anstrengend sein, aber sie konnte immer auch schlüssig begründen, weshalb sie gerade ein bisschen fordernd war. Und dann spitzbübisch alles weglächeln.

Da war zum Beispiel die Sache mit dem Fenster. Elsner war gerade in Montréal – das war im Sommer 2008 – um im Rahmen einer Präsentation bayerischer Filmproduktionen beim dortigen Festival Werbung für den Film „Kirschblüten“ zu machen. Es war heiß und schwül, deswegen wollte Elsner ein Zimmer, in dem man das Fenster öffnen konnte, weil sie keine Klimaanlagen mochte. Fenster öffnen könne man leider nur in den unteren Stockwerken, erklärte man sehr freundlich in dem noblen Hotel. Und fügte hinzu, leider sei man ausgebucht, daher könne man unglücklicherweise kein Zimmer in einem der unteren Stockwerke anbieten. Und nein, da sei wirklich nichts zu machen. Kurz danach hatte die Elsner ihr Zimmer mit Fenstern, die sich öffnen ließen. Beiläufiger Kommentar auf dem anschließendem Fußmarsch zum Abendessen: „Zicke kann ich schon auch.“

Es waren diese Momente, in denen man sie ins Herz schloss. Dieser Wille zum Drama, die selbstironische Reflexion darüber, das herrlich triumphierende Lächeln. Nein, Hannelore Elsner war keine Diva. Sie war einfach eine Frau, die wusste, was sie wollte und durchaus bereit war, einiges dafür einzusetzen, um das, was sie wollte, auch zu bekommen. Eine Diva ist launisch, unzuverlässig, lebt auf Kosten anderer – das alles konnte man bei ihr auf keinen Fall behaupten.

Bei dieser Promo-Tour für bayerische Filme in Montréal wusste sie genau, was von ihr erwartet wurde und sie lieferte diszipliniert. In ziemlich makellosem Französisch bezirzte sie die frankophonen Québecois, verströmte Charme und nahm ohne Anstalten alle Termine wahr, die anstanden, dafür war sie ja mitgereist. Schwierig wurde es nur, wenn sie nicht recht verstand, warum etwas auf eine bestimmte Art stattfinden sollte. Aber: Sie war bereit, es sich erklären zu lassen. Freilich war es gut, wenn man es dann auch erklären konnte. Sonst verengten sich die Augen von Frau Elsner, man sah nur noch zwei dunkel lodernde Schatten – und war geneigt zu glauben, dass einen diese Schatten verschlingen können.

Deswegen gab es auch Journalisten-Kollegen, die regelrecht Angst vor der Frau hatten. Zu Unrecht. Wenn man sich Mühe gab, war Hannelore Elsner die beste Gesprächspartnerin, die man sich vorstellen konnte. Klug, witzig, mit schönen Zitaten. Nur auf routinierte Phrasen und unpräzise Formulierungen hatte sie eben keine Lust. Und was soll man sagen: Sie hatte ja Recht damit. Das war kein Diventum und sie war auch nicht schwierig, sondern erwartete, dass alle ihre Arbeit vernünftig machen. So wie sie auch ihre Arbeit machte. Und dann gerne das Leben genoss.

In Montréal machte es Elsner sichtlich Spaß, die bunt zusammengewürfelte Runde abends zu unterhalten und mit Anekdoten zu versorgen. Sie konnte unvermittelt mütterlich klingen und war auch sonst bodenständig in dem Sinn, dass sie wusste, was vor sich geht. Zwischendrin im Aufzug erklärte sie ihrem Sohn am Telefon, wie ein Bügelbrett funktioniert und erläuterte nebenbei, sie habe halt kein wuseliges Management, das sich um alles kümmere. Sie mache alles alleine, zum Beispiel vor Galas die Kleider bügeln.

In Montréal hat sie sich ein Bügelbrett aufs Zimmer bringen lassen. Vermutlich hat man ihr angeboten, das Bügeln zu übernehmen, aber… nun ja, Frau Elsner bekam, was sie wollte. So wie immer.

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