Es ist dunkel, man steht im Wald. „Is sie das?“ – in Sekunden mustert die erfahrene Dresdner „Tatort“-Ermittlerin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) die Neue. Lauernd stehen sich die beiden Oberkommissarinnen gegenüber, es ist ihr erster gemeinsamer Einsatz. „Angenehm, können wir dann?“, sagt Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) kühl und stürzt sich in ihren ersten Einsatz, der zur Jagd nach einem kaltblütigen Serienmörder wird. Der siebte „Tatort“ aus Dresden, der unter dem Titel „Das Nest“ an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird, ist ein Psychothriller und nichts für schwache Nerven.
Ein junges Mädchen läuft nach einem Autounfall nachts allein durch den Wald. Statt Hilfe findet sie sich in einem Gruselkabinett wieder – und alarmiert die Polizei. Wenig später durchstreifen Gorniak, Winkler und ihr Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) mit Verstärkung die abgelegene Villa, die gar nicht so verlassen ist wie gedacht. In verborgenen Räumen sitzen vier mumifizierte Leichen – je zwei am Frühstückstisch und auf dem Sofa. Das fünfte Opfer liegt auf einem Stahltisch in der Küche, die einem Obduktionssaal gleicht – leblos und blutleer.
Im Angesicht der Toten kommt es zum ersten Disput zwischen Gorniak, die den Täter in eine Falle locken will, und „Leo“ Winkler, die nach Lehrbuch und „den Regeln“ vorgehen will. „Ihre Entscheidung“, blafft Gorniak Schnabel fordernd an. Denn der lässt die unfreiwilligen „Partnerinnen“ schließlich zusammen auf die Rückkehr des Unbekannten warten. Wirklich näher kommen sich die Frauen nicht, trotz zarter Sondierung des Privatlebens. Dann kehrt der Täter zurück, doch er entwischt ihnen gleich wieder.
Gorniak und Winkler verfolgen den Vermummten, der Menschen auf immer gleiche Weise ermordet und präpariert. Plötzlich steht er vor Gorniak – und rammt ihr ein Messer in den Bauch. „Die Spannung zwischen den Ermittlerinnen ist gleich nach dem ersten Akt da, da ist ein tiefer emotionaler Graben zwischen den Frauen“, sagt der erfahrene „Tatort“-Autor Erol Yesilkaya, der das Drehbuch für diesen Fall schrieb: „Eine macht einen Fehler, der die andere eine Menge kostet.“
Cornelia Gröschel, die durch den ZDF-Zweiteiler „Honigfrauen“ einem großen Publikum bekannt wurde, folgt in diesem Psychothriller auf Alwara Höfels, die nach nur sechs Fällen „wegen unterschiedlicher Auffassungen“ zwischen ihr und dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) die „Tatort“-Dienstmarke zurückgab. Gröschel, aus Dresden stammend, ist mit der Erzählweise des Films einverstanden: „Die skurrile Variante gibt es ja schon in Weimar und Münster, das wäre nicht vorrangig das, wo ich mich als Kommissarin und Schauspielerin sehe.“ Spannend bleibe auch die Entwicklung ihrer Figur „Leo“ Winkler: „Sie wird immer eine sein, die sehr ehrgeizig und zielstrebig ist. Mal schauen, ob sie vielleicht mehr Gelassenheit entwickelt.“