„Sie war voller Temperament“

von Redaktion

Wie die Münchner Schauspielerin Michaela May ihre Kollegin Hannelore Elsner erlebte

VON KATJA KRAFT

Wenn sie ihre Freundin Hannelore Elsner mit einem Wort beschreiben sollte? „Vollblutfrau!“ Das war sie. „Eine große Frau.“ Michaela May erinnert sich wenige Tage nach der Nachricht über den Tod ihrer langjährigen Freundin sichtlich getroffen an deren besonderes Wesen.

Und wie besondere Wesen so sind, so war auch Elsner keine, die es ihrem Gegenüber immer ganz leicht machte. Sie eckte an. „Weil sie sehr eigenwillig war. Viele haben sie als schwierig, oft kapriziös empfunden. Das war einfach ihr Temperament. Sie war intensiv – in jeder Hinsicht“, sagt May im Gespräch mit unserer Zeitung. Elsner habe immer dahin gespürt, was ihr gut tat. Den Menschen, bei denen die Energie stimmte, öffnete sie sich ganz und gar. Eine besondere Qualität, findet Michaela May. Denn: „Ein Gespräch mit ihr war immer ein ganz tiefes Gespräch. Nicht so dahingeredet. Alles war immer sehr intensiv. Hannelore hat stets vollen Einsatz gegeben, im Leben und im Beruf.“

Die beiden kannten sich Jahrzehnte lang. Schon im Jahr 1972 standen sie gemeinsam auf der Bühne, im Theaterstück „Eine Handvoll Brennnesseln“. May schauspielerisch noch völlig unerfahren. Doch die zehn Jahre ältere Kollegin ließ sie nicht im Stich. Sondern zeigte ihr, wie man das laute, klar artikulierte Sprechen am besten trainiert. Von wegen Diva! „Hannelore hat mit mir geübt. Sie war für mich immer sehr hilfreich und uneigennützig“, betont Michaela May.

So richtig los ging das mit ihrer Freundschaft dann, als sie beide Kinder hatten. „Wir lebten beide im Münchner Stadtteil Nymphenburg und haben häufig zusammen auf dem Spielplatz gesessen, während meine Tochter Alexandra und ihr Sohn zusammen spielten.“ In solchen Momenten habe sich Elsner sehr geöffnet. „Wir wussten, dass bei uns nichts an andere rausgeht. Wir waren sehr innig. So ist das, wenn man sich noch aus so frühen Zeiten kennt.“

Was nimmt sie als Erinnerung mit an diese große, diese Vollblutfrau? Was hat sie von ihr gelernt? Auch da muss May nicht überlegen: „Ihre Konsequenz. Hannelore war ein ganz konsequenter Mensch. Und dann erinnere ich mich an ihre extreme Weiblichkeit. Mit allen positiven wie negativen Eigenschaften. Dieses Frausein, dieses Verführenkönnen, sie konnte unglaublich verführen. Ihr Lachen war unvergleichlich. Wenn sie gelacht hat, war das so einzigartig. Dem konnte man sich nicht entziehen.“

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