Hohlbohrer

von Redaktion

In der Groteske „Big Manni“ erzählt die ARD die Geschichte eines Milliardenbetrügers

VON ANIKA VON GREVE

So fängt sonst ein Thriller an. Lichter blinken schemenhaft, die Landebahn ist dunkel, die Gesichter der Passagiere im Privatflieger sind angespannt und Big Mannis Gesicht wie immer von leichtem Schweißfilm überzogen. Mit der Hand trommelt er nervös gegen die Kabinenwand, schnauzt die Ehefrau an und wendet sich schnaufend ab. In der Auftaktszene des Fernsehfilms „Big Manni“, zu sehen an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten, ist die Titelfigur längst am Ende – oder jedenfalls fast.

Bevor es dazu kommt, will Manni, im Film Manfred Brenner und gespielt von Hans-Jochen Wagner („Tatort“) , seine schier unglaubliche Geschichte aber lieber selbst erzählen. Es ist die Geschichte um die Firma Flowtex aus Ettlingen bei Karlsruhe (Baden-Württemberg), deren Gründer Manfred Schmider (inzwischen 69) als einer der größten Wirtschaftsbetrüger in die deutsche Geschichte einging.

Regisseur Niki Stein hat die Produktion als Groteske angelegt – und kommt gerade dadurch der Realität ziemlich nahe. Der Film beginnt mit der düsteren Flughafenszene zwar wie ein Krimi, verwandelt sich aber nur Minuten später in eine Posse. Ganz ohne Drama oder tiefe Gefühle fungiert Manni nicht nur als Hauptfigur, sondern schildert auch den Ablauf der Geschehnisse. Linear erzählt er sein Leben, recht unbewegt und mit höchstens lakonisch gemeinter Reflexion.

Alles dreht sich um ihn. Extra breitbeinig, bräsig und beleibt stapft Manni durchs Leben, stürzt beim Skifahren über seine spätere Frau (Nina Gnädig), verdient erst gutes Geld mit Fassadenfarben und stößt dann auf eine einzigartige Geschäftsidee. Nur dass die ihn Jahre später selbst zu Fall bringt, Politiker mit sich reißt, langwierige Prozesse nach sich zieht und dem Steuerzahler einen Schaden von weit mehr als vier Milliarden Euro bescheren wird. Manni hat Horizontalbohrmaschinen verleast, die es gar nicht gab.

Umgeben von Knallchargen in Gestalt gieriger Banker, schleimiger Politiker und Mannis unbedarftem Luxusweibchen, gewinnt im Film nur er selbst füllige Kontur. Wagner spielt ihn schwer atmend, kindlich-optimistisch, ungeduldig und immer etwas zu laut. „Bedengge, immer bloß Bedengge“, schnaubt Manni im Dialekt – und setzt sich über sie hinweg.

Filmemacher Niki Stein hält sich nicht mit Charakterstudien auf. Wie Mannis Ehe ist? Was seine Frau so denkt? Egal. Was um Himmels willen einen wie Manni dazu bringt, sich furchtlos über Jahre immer tiefer in das Schneeballsystem hineinzumanövrieren? Egal. Selbst eine Szene, in der Manni zusammenbricht und panisch hyperventiliert, ist als Slapstick angelegt.

Die Erschütterungen des Skandals hallen bis heute nach, noch immer werden Prozesse geführt. Der echte Manni hat seine Strafe längst abgesessen – er wurde vorzeitig entlassen.

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