Keine Inszenierung

von Redaktion

Die Echtzeitdokumentation „24 h Europe“ porträtiert junge Menschen aus allen Teilen des Kontinents

VON RUDOLF OGIERMANN

Berlin, Jerusalem, Bayern – mit Mammutdokumentationen haben die Männer und Frauen um Autor und Regisseur Volker Heise sowie Produzent Thomas Kufus schon viele Erfahrungen gesammelt. Doch dieses Projekt war eine besondere Herausforderung – wegen der unterschiedlichen Sprachen, der großen Entfernungen und der unterschiedlichen Zeitzonen, was den Schnitt des Materials zusätzlich verkomplizierte. Doch nun ist es geschafft. Einmal rund um die Uhr dokumentiert „24 h Europe – The Next Generation“ (Regie: Britt Beyer und Vassili Silovic) in Echtzeit einen Tag (und eine Nacht) im Leben von 60 Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren aus 26 Ländern. Die Produktion läuft in Deutschland bei Arte, ARD alpha sowie im RBB Fernsehen an diesem Samstag ab 6 Uhr nonstop, im SWR Fernsehen mit Unterbrechungen und im BR Fernsehen in zwei Teilen zwischen 6 und 13.30 Uhr sowie ab 23.30 Uhr bis 6 Uhr am Sonntagmorgen.

Beim Dreh vor fast einem Jahr waren insgesamt 45 Teams im Einsatz, zwischen Barcelona und Magnitogorsk, Namur und Warschau, Helsinki und Sarajevo. Aus Deutschland sind Mary (23) aus Frankfurt, Candy (27) aus Berlin, Bilal (22) aus Odelzhausen im Landkreis Dachau sowie Tarek und Friedrich (beide 31) aus Saarbrücken dabei. Den Machern schwebte ein Querschnitt durch viele europäischen Regionen und durch alle Gesellschaftsschichten vor. Entsprechend bunt sind die Lebenswelten der Protagonisten – sie sind arm oder reich, religiös oder ohne Bekenntnis, weltoffen oder nationalistisch. Sie sind Landwirte und Computerspezialisten, Ärzte, Pfleger, Lehrer, Studenten, Künstler oder Unternehmer. Sie leben auf dem Dorf oder in Großstädten, sind in Europa aufgewachsen oder hierher immigriert.

Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Was sind ihre Träume, wovor haben sie Angst? Über Fragen wie diese geben Astrid aus Norwegen, Dominika aus Ungarn, Gordon aus Nordirland, Yannis aus Griechenland und viele andere Auskunft. Beim Casting sei auch darauf geachtet worden, dass sich die Protagonisten mit der europäischen Idee beschäftigen und verraten, wie sie die Zukunft des Kontinents sehen.

Keine Inszenierung, kein Extralicht, nur Handkamera – das waren die „Golden Rules“, die die beiden Regisseure den Teams mit auf den Weg gaben. Am Ende waren pro Protagonist bis zu fünf Stunden Rohmaterial zu sichten. „Man muss die Produktion in kleine Abschnitte unterteilen, sonst ist das erschlagend“, sagt Britt Beyer: „Es ist ein Marathon und ein Sprint zur selben Zeit.“ Das Fazit, das die Macher ziehen, ist positiv: „Es gibt doch so etwas wie eine emotionale Verbundenheit unter Europäern“, sagt Silovic: „Ein europäisches Lebensgefühl, an das ich glaube und das unsere Arbeit widerspiegeln wird.“

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