„Das Wichtigste im Leben? Nie aufgeben!“

von Redaktion

INTERVIEW Schauspieler Dieter Hallervorden über Vorbilder, Träume und die Lust, immer Kind zu bleiben

Der Kirschstreuselkuchen ist süß, das Leben ist bitter geworden für Olaf Hintz. Dieter Hallervorden spielt im Fernsehfilm „Mein Freund, das Ekel“ (ZDF, heute, um 20.15 Uhr) den Misanthropen, dem erst seine junge Mitbewohnerin Trixie Kuntze (Alwara Höfels) das Herz aufschließt. Ein Interview mit dem 83-Jährigen über die Frage, was er selbst vom Leben gelernt hat.

Der Film transportiert das Motto, dass jeder alles schaffen kann, wenn er sich bemüht…

Das ist Teil meiner Lebensphilosophie: Nicht aufgeben! Steck’ dir ein Ziel und lass’ dir nicht einreden, du erreichst es nicht! Wenn du sagst, du brauchst Hilfe – guck erst einmal an deinen eigenen Armen nach, ob da nicht Hände dran sind, mit denen du dir selbst helfen kannst.

Wer hat Ihnen dieses Positive vermittelt?

Mein Vater. Er ist lebenslang mein Vorbild geblieben. Weil er Situationen durchlebt hat, bei denen ich sage: Mensch, wie viel Lebensmut, wie viel Energie muss da sein, um das meistern zu können?

Womit genau hat er Sie so beeindruckt?

Mein Vater war doppelseitig beinamputiert, schon als junger Mensch. Glücklicherweise aber war der eine Unterschenkel so weit erhalten geblieben, dass er mit einem umgerüsteten Auto und auch mit dem Fahrrad fahren konnte. Ich habe ihn mit meiner Mutter tanzen sehen. Er hat sich die Lebenslust nicht nehmen lassen.

Sie haben reichlich Lebenserfahrung. Darf ich Ihnen Fragen stellen, deren Beantwortung Sie das Leben gelehrt hat?

Gern. Zum Beispiel?

Heilt Zeit alle Wunden?

Glücklicherweise ja. Dieses Sprichwort ist zwar etwas oberflächlich formuliert, aber natürlich ist es so, dass man mit einem zeitlichen Abstand Dinge besser verarbeiten kann.

Was ist ein guter Freund?

Ein guter Freund ist jemand, auf den man sich wirklich in jeder Situation verlassen kann. Der einem auch und gerade dann zur Seite steht, wenn es einem besonders schlecht geht.

Prassen oder sparen?

Ich finde wichtig, das Leben richtig auszukosten. Sicherlich sollte man sich nicht so verausgaben, dass man den nächsten Tag dann nicht mehr genießen kann.

Der Moment, in dem Sie gesagt haben: Jetzt ist mir alles wurscht, jetzt fahre ich die Nacht durch ans Meer?

Na ja, allein schon die Tatsache, dass ich mit 73 Jahren und mit eigenen Mitteln noch einmal ein Theater aufgemacht habe, das schon geschlossen war (das Schlossparktheater Berlin, Anm. d. Red.) zeigt ja, dass ich manchmal Entscheidungen getroffen habe, die Menschen, die daran beteiligt waren, zum Beispiel meinen Steuerberater, in die Verzweiflung getrieben haben.

Was hat Sie all die Jahre getragen, immer diese Energie da hineinzustecken?

Zum einen meine große Liebe zum Theater und zum anderen die Lust, mir diesen Traum erfüllen zu wollen. Schauspieler sind Leute, die ihre Kindheit in die Tasche gesteckt haben, um ein Leben lang weiterspielen zu können.

Haben Sie eigentlich viele Witze auf Lager?

Nein. Die Leute denken immer, dass ich sicher schon in der Schule der Klassenclown war. Überhaupt nicht! Ich bin eigentlich eher ein schüchterner Mensch. Ich kann auf der Bühne, im Licht, vor der Dunkelheit des Zuschauerraums und gegen Entgelt recht komisch sein. Aber ich kann es nicht einfach so.

Welche Figur würden Sie gern noch spielen?

Wir haben in Paris ein Stück entdeckt, das ich jetzt übersetzt habe und das wir in Berlin als deutsche Erstaufführung präsentieren werden. Es heißt „Gottes Lebenslauf“. Ich werde darin in die Rolle des lieben Gottes schlüpfen.

Höher geht’s nicht.

Stimmt. Ich bin gespannt. (Grinst.)

Das Gespräch führte Katja Kraft.

Artikel 2 von 2