Die Feierstimmung steigt – trotz der jüngsten Gewalteskalation in Israel. In Tel Aviv geht es ab heute in die heiße Phase des Eurovision Song Contest (ESC), der mit dem Finale am Samstag seinen Höhepunkt erreicht. In der Stadt am Mittelmeer präsentierten sich am Sonntagabend die Delegationen der Teilnehmerländer, unter ihnen die Sisters alias Carlotta Truman (19) und Laurita Spinelli (26).
Gestern hat das deutsche Duo seine erste Probe mit dem Titel „Sister“ absolviert. Dass Carlotta und Laurita am Ende eine große Rolle spielen, ist derzeit allerdings zweifelhaft. Kurz vor den Halbfinals heute und am Donnerstag (siehe Kasten) haben die Wettbüros ihre Favoriten für die Nachfolge der israelischen Vorjahressiegerin Netta („Toy“) ausgemacht. Demnach steht der Niederländer Duncan Laurence ganz weit vorn, gefolgt von den Teilnehmern aus Schweden, Russland, Aserbaidschan und Frankreich. Sisters dagegen sind weder in den Wettbüros noch bei den im Internet ebenfalls verbreiteten Votings der Fans im Gespräch.
Ob in Deutschland die Tristesse der Zeiten vor dem vierten Platz Michael Schultes im vergangenen Jahr zurückkehrt, bleibt abzuwarten. So oder so – in Deutschland gehört die mehrstündige Finalshow am Samstag zu den meistgesehenen Fernsehshows des Jahres, mehr als acht Millionen Menschen sahen im vergangenen Jahr zu. Wie schon viermal zuvor wird dabei Moderatorin Barbara Schöneberger von der Hamburger Reeperbahn die deutschen Punkte bekannt geben.
Zur Sicherung der Veranstaltungen setzt Israel rund 20 000 Polizisten ein. Vor wenigen Tagen war die Gewalt zwischen Israel und militanten Palästinenserorganisationen wieder eskaliert. Bei den Gefechten kamen auf beiden Seiten insgesamt 29 Menschen ums Leben.
Das Land im Nahen Osten hat Übung, was die Ausrichtung des ESC angeht, viermal gewann das Land den Wettbewerb bereits. Die meisten Israelis stehen dem Spektakel aufgeschlossen gegenüber. Die Stadt Tel Aviv stellt während des Finales am Samstag gratis 50 Shuttlebusse bereit. ESC-Fans wird damit die Fahrt zum Veranstaltungsort am jüdischen Ruhetag Sabbat erleichtert, an dem normalerweise keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren dürfen.
Im Vorfeld der diesjährigen Veranstaltung unter dem Motto „Dare to dream“ („Wage zu träumen“) gab es auch kritische Stimmen. Nach dem Sieg von Netta im Mai vergangenen Jahres hatte der ultraorthodoxe Politiker Jakov Litzman noch gemahnt, der ESC dürfe den Sabbat nicht stören. Mitte Juni ruderte die Regierung zurück und beschloss, auf jegliche weitere politische Einmischung zu verzichten.