Die glorreichen Sieben

von Redaktion

Improvisationsspezialist Jan Georg Schütte drehte einen „Tatort“ ohne festes Drehbuch

VON RUDOOLF OGIERMANN

Normalerweise hat jeder „Tatort“-Krimi ein festes Drehbuch mit ausformulierten Dialogen – bisher zweimal allerdings wurde diese Regel außer Kraft gesetzt. Axel Ranisch inszenierte – mit mäßigem Erfolg – für den Südwestrundfunk (SWR) die Ludwigshafener Folgen „Babbeldasch“ (2017) und „Waldlust“ (2018), erstere sogar mit Laiendarstellern. Nun hat sich auch Autor und Regisseur Jan Georg Schütte, Schöpfer des mehrfach ausgezeichneten Improvisationsfilms „Altersglühen“ und zuletzt mit „Klassentreffen“ im Ersten zu sehen, an einem „Tatort“ versucht – und ihn in der vergangenen Woche in nur zwei Tagen abgedreht. Das teilte der verantwortliche Westdeutsche Rundfunk (WDR) jetzt mit.

Schütte gewann für seine Idee Protagonisten gleich zweier Teams. In „Gut und Böse“ (Arbeitstitel) ermitteln unter anderen die Kommissare Martina Bönisch und Peter Faber (Anna Schudt und Jörg Hartmann) aus Dortmund sowie Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) vom Münsteraner Team. Dabei sind ferner unter anderen Ben Becker, Charly Hübner, Bjarne Mädel, Friedrich Mücke und Nicholas Ofczarek. Auch der Filmemacher selbst wirkt in einer kleinen Rolle mit. „Ohne die Profile der anderen Darsteller zu kennen, improvisierten die Akteure auf Basis ihrer Rollenprofile“, erläuterte eine Sprecherin des Senders: „Unvorhersehbare Situationen haben dabei den Fortgang der Handlung beeinflusst.“

In dem Krimi geht es nach Senderangaben um eine Mordserie, der bereits vier Polizeibeamte zum Opfer gefallen sind. In einem Hotel nahe Köln – tatsächlich gedreht wurde in Siegburg bei Bonn – kommt ein Team aus sieben Kommissaren zusammen, um sich auf den Fall einzuschwören. Ihnen zur Seite steht „ein international renommiertes Coachingteam“ (gespielt von Hübner und Mädel). Laut WDR gibt es wie im „Tatort“ üblich nicht nur Dialoge sondern auch „Action, Schüsse und Tote“.

Im Einsatz waren dazu nicht weniger als 24 bemannte und zwölf fest installierte Kameras. „Allein jeder Darsteller wurde permanent von einer Kamera begleitet“, so die WDR-Sprecherin gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Das Ergebnis sind insgesamt 212 Stunden Material. „Die Hauptaufgabe besteht jetzt darin, es zu sichten und zu einem spannenden Neunzigminüter zu verdichten“, so die Sprecherin: „Die Geschichte ist spannend, bietet aber auch Überraschungen.“

Ausgestrahlt werden soll der Improvisations-„Tatort“ voraussichtlich am Neujahrstag.

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