Pflegender Todesengel?

von Redaktion

Der neue Stuttgarter „Tatort“ ist ein Fall für Fans klassischer Krimi-Handlungen

VON LINDA VOGT

Wurden sie überhaupt an einen Tatort gerufen? Die Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) versuchen im neuen Stuttgarter „Tatort“ herauszufinden, warum zwei pflegebedürftige Männer ums Leben gekommen sind. Die Senioren starben in ihrem Zuhause – der eine an plötzlichem Herzstillstand, der andere war die Treppe hinuntergestürzt. Doch die Vorfälle, die sich innerhalb weniger Wochen ereigneten, verbindet etwas: Anne Werner vom mobilen Pflegedienst Elvira. Die herzliche, kompetente Pflegerin hatte sich um beide Männer gekümmert – und wird damit schnell zur Hauptverdächtigen der Folge „Anne und der Tod“, die das Erste an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt.

Aber wen die Ermittler auch befragen, die Fassade der vorbildlichen Pflegerin, die sich in einem herausfordernden Job rührend um ihre Patienten kümmert, will nicht bröckeln. Warum sollte sie Paul Fuchs ein lebenswichtiges Medikament vorenthalten haben? Und warum Christian Hinderer einen Stoß am Treppenabsatz versetzt haben? Vielleicht aus Mitleid, mutmaßen die Kommissare. „,Todesengel‘ steht dann manchmal in der Zeitung‘“, sagt Lannert im Verhör. „Engel klingt eigentlich ganz schön.“

Den Ermittlern fehlt diesmal auch ein überzeugendes Motiv. Die Wende könnte nur ein Geständnis der Verdächtigten selbst bringen. So nimmt ein „Tatort“ Fahrt auf, der sich zur Freude von Fans klassischer Krimi-Handlungen auf die reine Ermittlerarbeit konzentriert: Lannert und Bootz durchleuchten penibel das Leben der alleinerziehenden Mutter – überzeugend gespielt von Katharina Marie Schubert –, die jeden Vorwurf ruhig, aber bestimmt von sich weist.

Dieser „Tatort“ macht erfahrbar, was ein Begriff wie Pflegenotstand tatsächlich bedeutet. „Wir haben penibel recherchiert, um jede Kleinigkeit wie Patientenakten und Dienstpläne originalgetreu einfangen zu können“, erläutert Regisseur Jens Wischnewski.

Hoher Zeitdruck, starke Belastung, geringes Einkommen – so sieht die Realität im Film und im echten Leben aus. „Ich bin zufrieden“, erklärt Pflegerin Anne Werner dennoch mit Nachdruck. Doch im Verlauf kommen Zweifel an ihrer Integrität auf. Handelte sie möglicherweise alles andere als uneigennützig? Spannend bleibt der „Tatort“ bis zum Schluss.

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