Spektakel oder Debakel?

von Redaktion

Der „Eurovision Song Contest“ begeisterte Millionen und watschte Deutschland mit null Punkten ab

VON JÖRG HEINRICH

Deutschland ist beim „Eurovision Song Contest 2019“ wieder dort gelandet, wo es in den letzten Jahren fast immer lag – am Ende des Feldes. Das Zwischenhoch vom letzten Jahr mit Platz vier für Michael Schulte ist schon wieder vorbei. Für das Mädchen-Duo „S!sters“ und ihren Song „Sister“ reichte es in Tel Aviv nur zu Platz 24 unter 26 Ländern. Von den Zuschauern aus ganz Europa gab es sogar null Punkte für Deutschland. Eine Riesen-Watschn für die ARD, die sich aber immerhin über die Top-Quote von 7,6 Millionen Zuschauern im Ersten freuen konnte. Wir haben die wichtigsten Fakten des Abends für Sie zusammengefasst.

Wie spannend war die Entscheidung?

Unglaublich spannend! Erst mit der allerletzten Wertung setzte sich kurz vor ein Uhr nachts der niederländische Favorit Duncan Laurence (492 Punkte) mit seiner Piano-Ballade „Arcade“ vor Mahmood aus Italien (465) durch.

Wie bitter war die Wertung für Deutschland?

Extrem bitter! Carlotta Truman und Laurita Spinelli machten zwar das Beste aus einem langweiligen Lied und einer langweiligen Inszenierung. Und die Jury-Wertung fiel mit 32 Punkten noch erträglich aus. Aber beim Verlesen der Publikums-Punkte setzte die Moderatorin, Supermodel Bar Refaeli, ein trauriges Gesicht auf: „Sorry, leider null Punkte.“ Laurita will jetzt mit ihren Katzen kuscheln, und Carlotta muss ihre Lieblingsserie nachholen: „Ich will ,Game of Thrones’ gucken.“

Woran hat’s gelegen?

„Leider haben wir international nur Wenige überzeugen können“, haderte der misserfolgsgewohnte ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber. Das Retorten-Lied des Retorten-Duos überzeugte schon in Deutschland kaum jemanden, in den iTunes- Charts dümpelt es auf Platz 69. Wie schlecht die S!sters ankamen, zeigt auch Instagram. Sergey Lazarev aus Russland hat 3,9 Millionen Follower, die S!sters kommen auf 14 900.

Wie kann es 2020 besser werden?

Schreiber kündigte einmal mehr einen neuen Modus für den Vorentscheid an. Das Bürokraten-Verfahren, bei dem 100 Experten den Geschmack Europas treffen sollen, ist trotz des Glücktreffers Michael Schulte gescheitert. Die ARD müsste Topstars wie Helene Fischer oder Robin Schulz eine Teilnahme schmackhaft machen. Oder sie geht neue Wege, zum Beispiel mit einer Auswahl, bei der sich Kandidaten auf YouTube bewerben können.

Wer hat sich noch null Punkte verdient?

Madonna, die „Queen Mum of Pop“, stürzte sich mit einem absurd schlechten Auftritt im Rahmenprogramm selbst vom Thron. Mit Augenklappe wollte die 60-Jährige Reklame für ihr neues Album „Madame X“ machen, traf aber kaum einen Ton. Die S!sters waren also wenigstens nicht die größten Verlierer des Abends.

Artikel 2 von 2