Frische Landluft für die Legende

von Redaktion

Eine niedersächsische Hausfrau päppelte Helmut Berger bei sich auf – 3sat-Dokumentation erzählt davon

VON ASTRID KISTNER

Wie kommt eine resolute Hausfrau aus Niedersachsen zum schönsten Mann der Welt? Ganz einfach: Sie ruft ihn an. Weil sich Bettina Vorndamme Sorgen um den offensichtlich kranken Star macht, über den im Internet nicht nur schmeichelhafte Filmchen kursieren. Dieser Star ist Helmut Berger, Schauspielikone, zuletzt gesehen 2013 im Dschungelcamp von RTL. Kein schöner Anblick. „Das muss gerichtet werden“, beschließt Vorndamme mit norddeutschem Pragmatismus. Sie lädt Berger zu sich in ihr Dorf ein, um mit Hilfe ihrer Tochter, der Filmemacherin Valeska Peters, den Glanz alter Tage wieder sichtbar zu machen. „Helmut Berger, meine Mutter und ich“ ist ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm geworden. 3sat zeigt ihn an diesem Samstag um 20.15 Uhr anlässlich des 75. Geburtstags von Berger.

Zu sehen ist ein fast poetisches Porträt, in dem sich Berger, der einstige Liebling der europäischen Society, durchaus inszenieren darf. Rauchend auf einem Balkon in Paris, nachdenklich in seinem verschneiten Domizil in Salzburg, wo ihn die Ruhe zu erdrücken scheint. „Im Alter haben Erinnerungen denselben Stellenwert wie in der Jugend die Träume“, sinniert Berger melancholisch.

Seinen eigentlichen Reiz zieht der Film aber aus der Montage: Archivmaterial und kunstvolle Inszenierung gehen nahtlos über in die sehr liebenswerte reale Welt der Bettina Vorndamme, die den extrovertierten Schauspieler in ihr Reetdachhaus nach Nordsehl holt. Sie hält ihn so gut es geht vom Alkohol fern, erträgt seine Allüren, schleppt ihn zu Physiotherapie und Fußpflege. Doch nicht nur die Nägel, auch das Image wird aufpoliert: mit einer eigenen Facebookseite, die den Regisseur Albert Serra aufmerksam macht. Er engagiert Berger für das Stück Liberté an der Berliner Volksbühne. Noch einmal „all Lights on me“ (alle Lichter auf mich), kommentiert der Schauspieler zufrieden im Film.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Berger kann launisch sein, gibt sich mal nahbar, mal distanziert. Wenn er getrunken hat, bekommt die brüchige Fassade schnell wieder Risse. Der Schmerz und die Einsamkeit, die ihn nach dem Tod seines Entdeckers und Liebhabers Luchino Visconti 1976 erfüllten, blitzen dann heute noch auf. Neu verliebt habe er sich nie mehr, gesteht Berger.

„Er hat zwei Seiten, die man nur schwer zusammenbekommt“, sagt seine Förderin, die sich über Monate eine herzliche Freundschaft mit dem kapriziösen, klugen Berger erstritten hat. Der Film zeigt ihn als Teil einer Familie, in der er bisweilen deplatziert wirkt. Im nächsten Moment aber, umgeben von Menschen, die ihm so viel Gutes wünschen, gibt sich Berger glücklich und gelöst. „Wir sind nicht nur Helmut nähergekommen, sondern auch als Familie dichter zusammengerückt“, zieht Filmemacherin Peters im Gespräch mit unserer Zeitung ihr Resümee. „Wir haben mehrere Premieren unserer Doku gemeinsam gefeiert. Und ich bin froh, dass Helmut den Film mag.“ Denn darum ging es ja: Der Ikone ein Denkmal zu setzen – ein ebenso würdiges wie ehrliches.

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