Von Ludwigshafen nach Cornwall

von Redaktion

„Tatort“-Star Ulrike Folkerts spielt in einem Rosamunde-Pilcher-Film – eine mehr als ungewöhnliche Rolle

Seit 30 Jahren geht Ulrike Folkerts als taffe „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal auf Verbrecherjagd in Ludwigshafen. Am kommenden Sonntag tauscht die 58-Jährige nun die sportliche Jeans und Lederjacke gegen ein pastellfarbenes Kostüm ein. In „Schwiegertöchter“, dem neuen Film nach einem Roman von Rosamunde Pilcher (ZDF, 20.15 Uhr), spielt Folkerts eine reiche Unternehmerin, die fest damit plant, dass ihre beiden erwachsenen Söhne das Familienimperium übernehmen, und darüber nicht nur mit den Schwiegertöchtern in Konflikte gerät.

Können Sie verstehen, dass man sich erst mal die Augen reibt, wenn man Sie in einem Rosamunde-Pilcher-Film sieht?

Echt jetzt? (Lacht laut.) Passt das nicht zusammen?

Na ja, es ist zumindest ungewöhnlich.

Ja klar! Mir ging es ehrlich gesagt genau wie Ihnen, als die Regisseurin Heidi Kranz anrief und mir sagte: „Ulrike, ich habe hier ein Pilcher-Drehbuch und muss die ganze Zeit an Dich denken.“ Da habe ich erst mal geantwortet, dass ich mich da überhaupt nicht sehe.

Und dann haben Sie das Buch gelesen…

…und mich gewunden. Und überlegt. Und meine „Tatort“-Kollegen gefragt, ob sie weiterhin mit mir arbeiten wollen, auch wenn ich jetzt Pilcher drehe. (Lacht.)

Sie haben sich das Okay Ihrer Kollegen geholt?

So ungefähr. Ich war wirklich unsicher. Aber dann habe ich gemerkt, wie viele Menschen – auch in meinem privaten Umfeld – Pilcher schauen und mich freigemacht davon, dass es peinlich sein könnte. Ich habe dann das Buch einfach auf die Rolle hin gelesen, und plötzlich gefiel es mir. Für mich als Schauspielerin gibt es eigentlich keinen schöneren Kontrast.

Sie meinen, im Vergleich zum „Tatort“.

Ja klar. Da bin ich die taffe Kommissarin, die mit Jeans und Lederjacke in der Gegend rumballert. Und hier darf ich jetzt im Kostüm und mit High Heels eine Unternehmerin und Mutter zweier erwachsener Söhne spielen.

Mein Lieblingssatz von Ihnen im Film ist: „Trevor, wo bleibt mein Gin?“ Trevor ist der Butler.

Hat was, oder? Für mich war es einfach großartig, eine komplett andere Rolle zu verkörpern und damit die Leute zu überraschen. Abgesehen davon hatte ich eine super Zeit in Cornwall. Ich habe am Meer gewohnt, bin vor und nach dem Drehen am Strand gewesen, habe mich in die Wellen geschmissen und mit einem Superteam zusammengearbeitet. Hinzu kam, dass mich in England keiner kennt. Das ist schon auch mal schön.

Klingt, als hätten Sie Gefallen gefunden am Herzkino…

Durchaus. Wenn mir ein Buch noch mal so gefällt wie dieses, dann würde ich auf jeden Fall wieder darüber nachdenken.

Aber dem „Tatort“ bleiben Sie auch erhalten?

Ich habe absolut die Absicht, das fortzuführen. Wir drehen gerade den Jubiläumsfilm – 30 Jahre Lena Odenthal, und das ist sehr aufregend. Also, solange der Südwestrundfunk will – ich habe auf jeden Fall Lust!

Vermissen Sie Mario Kopper? Ihr Kollege Andreas Hoppe hatte seinen Dienst vor einiger Zeit quittiert.

Ach, das ist schon ein etwas trauriges Kapitel. Aber am Ende ist den Autoren für uns als Duo einfach nichts mehr eingefallen. Und dann ist es besser, man lässt es bleiben. Ich bin mit meiner neuen Kollegin und der neuen Ausrichtung jetzt sehr glücklich.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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