Die schrägen Nachrichten des ZDF

von Redaktion

Die quotenstarke Satiresendung „heute show“ wird zehn Jahre alt – und geht in eine lange Sommerpause

VON ANDREAS HEIMANN UND RUDOLF OGIERMANN

Für die Fans ist der Sendetermin am Freitag so heilig wie für Fußballfreunde die „Sportschau“ am Samstag. Und das seit mittlerweile zehn Jahren. So lange ist die „heute show“ mit Oliver Welke im Programm des ZDF – und prägt maßgeblich das inzwischen ziemlich progressive (Satire-)Image des Mainzer Senders.  Die  Jubiläumsaus-gabe morgen um 23 Uhr ist zugleich die letzte vor der Sommerpause.

Beim Start im Mai 2009 hatte sich das ZDF noch mutlos gezeigt. Die Sendung in der Optik eines Nachrichtenjournals lief am Dienstagabend zu später Stunde und nur im Monatsrhythmus – von Aktualität keine Spur. Erst seit Anfang 2010 dürfen die „heute show“-Satiriker wöchentlich ran –  am späten Freitagabend. Und inzwischen vielfach preisgekrönt.

Dann sitzt Welke, gekleidet wie ein Nachrichtensprecher am Schreibtisch, rückt dauernd die Brille zurecht und erklärt das Weltgeschehen. Klima-Krise, Kramp-Karrenbauer, Kurz-Sturz, was gerade so anfällt. Satirisch natürlich, auch wenn die Themen oft die gleichen sind, die das „heute journal“ aufgreift. Der 53-jährige gebürtige Bielefelder hat daran sicher seinen Anteil am Erfolg. Aber es ist auch das Konzept, das es möglich macht, viele Größen der deutsche Kabarett- und Comedyszene in die schräge Nachrichtensendung einzubinden. Dietmar Wischmeyer etwa, der stets schlecht gelaunt zum Beispiel sein „Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten“ präsentiert. Oder Gernot Hassknecht alias Hans-Joachim Heist, dessen wütende Tiraden oft kurz vor der finalen Eskalation durch ein „Störung“-Schild gestoppt werden.

Bei Welke gibt sich die Studiotürklinke in die Hand, wer als Comedian etwas Freches zu sagen hat, Serdar Somuncu beispielsweise oder Sebastian Pufpaff, die längst mit eigenen Sendungen bekannt sind, die Schweizerin Hazel Brugger oder der sächselnde Pullunderträger Olaf Schubert, der vor allem als Experte für ostdeutsche Empfindlichkeiten ohne Rücksicht auf Political Correctness loslegt. Kaum wegzudenken sind Altstars wie Martina Hill als Tina Hausten, Dietrich Hollinderbäumer als Korrespondent Ulrich von Heesen und die das Publikum niederlachende Birte Schneider alias Christine Prayon.

Das Konzept ist in jedem Fall erfolgreich, im laufenden Jahr hatte die „heute show“ im Schnitt 4,26 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 17,7 Prozent. Erstaunlich gute Werte für eine Sendung am späten Abend. Sogar das zuvor laufende „heute journal“ bleibt üblicherweise darunter.

Gelegentlich schießen die Macher über das Ziel hinaus, reißen auch einmal Politikerzitate aus dem Zusammenhang, lauern auf Versprecher oder sprachliche Stilblüten, die sich zur Erheiterung des Publikums eignen. Für die Veralberung eines unter einer Sprechstörung leidenden AfD-Mannes im vergangenen Jahr mussten sich Redaktion und Moderator entschuldigen.

Medienkritiker monieren, die „heute show“ schiele mehr und mehr nach der Masse. Der „Tagesspiegel“ mahnte, das Format müsse erwachsener werden: „Es darf nicht länger erklärtes Ziel sein, Politiker demütigen zu wollen und Politik, die erkennbar dicke Bretter bohrt, als Clan von Dünnbrettbohrern bloßstellen zu wollen. So ein Blickwinkel ist infantil.“

Die Fans der Sendung sehen das sicher anders. Für sie gibt es eine schlechte und eine gute Nachricht. Die Sommerpause dauert geschlagene drei Monate. Aber am 6. September geht es weiter, und für dieses Jahr sind immerhin noch 15 Ausgaben geplant.

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