Sie war „Die flambierte Frau“ – mit dieser Rolle werden die meisten Zuschauer Gudrun Landgrebe wohl ewig verbinden. Seitdem hat die inzwischen 68-Jährige in unzähligen Filmen mitgespielt (unter anderem in Helmut Dietls „Rossini“), immer wieder besetzt als scheinbar alterslos attraktive, distinguierte Lady mit Stil. Wer nun am (späten) Montagabend um 23.55 Uhr in die neue ZDF-Serie „In bester Verfassung“ hineinzappt, wird seinen Augen und Ohren nicht trauen. Da motzt Landgrebe als kettenrauchende Anfang-Sechzigerin im Overall unflätigst drauf los. „Ihr Arschlöcher, was macht ihr da?“ oder „Was soll die Scheiße?!“ sind da noch die harmlosesten Ausdrücke.
Mechthild Dombrowski heißt diese von Landgrebe hinreißend gespielte Figur, die sich als Verfassungsschützerin in einem abgelegenen Kaff in Nordrhein-Westfalen langweilt. Als die Chefs entscheiden, den Standort zu schließen, hecken Dombrowski und Kollege Paul Horner (Uke Bosse) einen Plan aus: Sie erfinden eine islamistische Terrorzelle, die in der Region operiert, um ihrer Dienststelle eine neue Existenzberechtigung zu verschaffen.
„Es ist die erste Politsatire, die mir angeboten wurde“, erzählt Gudrun Landgrebe im Gespräch mit unserer Zeitung: „Und ich wusste sofort: Diese Rolle will ich spielen!“ Sie wollte sich, wie sie es selbst formuliert, „gerne mal gegen den Strich bürsten – weg von jeglicher Attraktivität“. Bei den Vorbereitungen für den Dreh habe sie dann das Älteste an Klamotten mitgebracht, was sie zu Hause hatte. „Ich trage praktisch kein Make-Up, keinen Schmuck – und ich musste rauchen!“, lacht Landgrebe.
Tatsächlich hat die Schauspielerin selten Rollen gespielt, die so anders waren wie diese. Hat sie das manchmal in ihrer Karriere vermisst? „Ja, ein bisschen schon“, sagt sie. Eine ihrer liebsten Figuren habe sie in einem Hörspiel gespielt. „Das war eine ganz burschikose Frau, die nach einer Gehirn-OP eine Glatze hat und unter Amnesie leidet.“ Ein toller Krimi sei das gewesen – „aber diese Rolle hätte man mir in einem Film niemals angeboten. Was schade ist.“ Inzwischen setze sie mehr auf Qualität statt auf Quantität. „Bei manchen Drehbüchern, die mir angeboten werden, denke ich: Habe ich alles schon mal gelesen, alles schon gesehen.“
Das war bei „In bester Verfassung“ wahrlich anders. Denn ausgehend von dem eingangs erwähnten fingierten IS-Terroranschlag erzählt die bissig-böse Serie, wie schnell Rassismus und Medienhysterie entstehen und Populismus befeuern können. Die Bürger des Dorfes, die bisher friedlich miteinander gelebt haben, mutieren zu Wutbürgern. Jeder hasst hier auf einmal jeden – und klar, der Türke, den eigentlich alle mögen, wird schon was zu tun haben mit diesem Anschlag.
„Die Situation in dem Ort, die dermaßen eskaliert, hat Parallelen zum echten Leben“, sagt Landgrebe. „Das, was passiert, sieht auf den ersten Blick vielleicht komisch aus – aber mir blieb beim Lesen oft das Lachen im Hals stecken. Und genauso soll es bestenfalls beim Zuschauer auch sein.“ Die Serie solle zum Hinterfragen anregen: „Schwimme ich mit auf einer Welle – unreflektiert? Oder überlege ich erst mal in Ruhe und widersetze mich dann vielleicht. Darum geht es doch“, sagt Landgrebe, der man die Lust an dieser so besonderen Rolle abnimmt. „Ich habe wirklich Spaß, so etwas zu spielen. Vielleicht bringt die Serie jemanden auf die Idee, mich öfter mal für solche Filme zu besetzen.“