„Wir lieben uns“

von Redaktion

Schauspieler Fahri Yardim über „Jerks“ und seinen Freund und Kollegen Christian Ulmen

Sie springen mit Anlauf in jedes Fettnäpfchen – Christian Ulmen und Fahri Yardim spielen in der hinreißend komischen Improvisationsserie „Jerks“ sich selbst oder besser gesagt zwei Comedyversionen ihrer selbst. Nachdem die ersten beiden Staffeln bei Publikum und Kritik sehr gut ankamen, sind ab heute bei dem zu Pro Sieben-Sat.1 gehörenden Streamingdienst Joyn neue Folgen mit den beiden chaotischen Männerfreunden zu sehen. Wir sprachen mit Fahri Yardim.

In „Jerks“ wirken Sie und Ihr Spezl Christian Ulmen so, als würden Sie seit Ewigkeiten gemeinsam vor der Kamera stehen. Dabei war es wohl gar nicht von vorneherein klar, dass gerade Sie beide ein Duo bilden.

Richtig. Die Produktionsfirma hatte sich zuerst Christian Ulmen gekrallt, und danach gab es ein stinknormales Casting, bei dem auch ich dabei war. Ich hatte also keinerlei Vorteil, ich hab mich gegen die ganze hübsche Konkurrenz durchgebissen und mir den Job fair erkämpft. (Lacht.)

Sie stammen beide aus Hamburg. Wie lange kennen Sie sich schon?

Seit der Kindheit, erste Berührungspunkte gab es beim Judotraining. Er war damals schon älter als ich und hat mich hart auf die Matte geworfen. Das sieht man ihm heute ja leider nicht mehr an, dass er mal ein großer Athlet war.

Sind Sie privat auch so eng wie in der Serie?

Wer Leid teilt wie wir in „Jerks“, baut Vertrauen zueinander auf. Wir lieben uns, hängen aber nicht ständig miteinander rum. Er hat für mich aber immer eine Schulter, an die ich mich lehnen kann – auch weil sie so wabernd speckig und haarig gepolstert daherkommt.

Wieviel vom echten Fahri Yardim steckt in der Figur Fahri Yardim, die man in „Jerks“ sieht?

Alles. Es ist die reine Wahrheit über meine Person, die den Zuschauern entblößt wird, leider. Ich kann mich hinter mir selbst nicht verstecken. Ich bin in der Serie und im wahren Leben ein Abbild des männlichen Niedergangs, der Abgesang des Patriarchats, wie jemand treffend schrieb.

Ist wirklich alles improvisiert in der Serie?

Wirklich alles. Das Drehbuch gibt zwar vor, wo es in einer Szene hingehen soll, denn natürlich bedarf es eines roten Fadens. Aber wie wir den Rahmen füllen, bleibt uns überlassen.

Dann sind Sie quasi auf Knopfdruck unglaublich witzig, Kompliment!

Wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ein Großteil des Witzes im Schneideraum entsteht. Wir drehen teilweise bis zu 20 Minuten lange Takes, da laufen zwei Kameras, die wirklich jeden Schwachsinn einfangen, von dem 95 Prozent im Schnitt rausfallen. Der Rest wird zur Perle. Christian siebt die Essenz wie Sand durch ein Sieb. und am Ende bleibt Gold hängen, Wir machen aus Gold Scheiße. Aber eben schöne Scheiße. (Lacht.)

Es geht in der Serie ganz wesentlich um eine Männerfreundschaft. Haben Sie neben Christian Ulmen noch andere Freunde?

Gott sei Dank ja, sonst könnte ich das Leben nicht ertragen. Ich habe ein paar sehr alte und sehr gute Hamburger Freunde, die mir die Stange halten. Die kannten mich alle schon, bevor ich zu meinen Höhenflügen angesetzt habe. Und die prügeln mich auch immer wieder rechtzeitig mit roher Gewalt auf den Boden zurück, wenn ich Anstalten mache abzuheben.

Zählt Til Schweiger, mit dem Sie im „Tatort“ zusammen spielen, auch zu Ihren Freunden?

Unbedingt, wir haben uns vor vielen Jahren bei den Dreharbeiten zu der Komödie „Wo ist Fred?“ kennengelernt und ein bisschen ineinander verguckt. Seitdem sind wir uns freundschaftlich verbunden. Er ist im Gegensatz zu mir auch ohne Schnitt lustig.

Das Gespräch führte Martin Weber.

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