Fernsehen ohne Fernseher

von Redaktion

Der Münchner Streamingdienst Joyn ist gestartet und macht Netflix & Co. Konkurrenz

VON JÖRG HEINRICH

Wer fernsehen will, braucht längst keinen Fernseher mehr. So gut wie alle Sender bieten Internet-Livestreams – mal gratis (ARD/ZDF), mal kostenpflichtig (TVNow von RTL, 4,99 Euro im Monat). Und wer sich Kabel, Satellit oder Antenne ganz sparen will, kann Pakete buchen, die die wichtigsten Sender auf Smartphone, Tablet, Computer oder Smart-TVs bringen. Zattoo, Waipu und MagentaTV bieten diesen Service schon länger. Und seit ein paar Tagen sendet auch Joyn, der neue Streamingdienst von ProSieben und Sat.1. Wir verraten, wie das Fernsehen ohne Fernseher funktioniert, was es kann und was es kostet.

Das ist Joyn

Das neue Angebot, das auf Deutsch in etwa „Mach mit!“ bedeutet, ist ein Mix aus Live-Fernsehen, Mediathek und eigenen Inhalten à la Netflix. Joyn löst 7TV ab, den bisherigen Streamingdienst der Sendergruppe aus Unterföhring. Zum Start ist Joyn momentan noch gratis, Ende 2019/Anfang 2020 soll eine kostenpflichtige Premium-Version dazukommen. Der Preis ist noch unklar, dürfte aber wie bei der Konkurrenz zwischen fünf und zehn Euro liegen.

Das bietet Joyn

Der neue Dienst wirbt mit 55 Live-Fernsehsendern. Nach Abzug der Regionalsender der Dritten wie WDR Wuppertal bleiben noch 37 Kanäle übrig von ARD und ZDF über ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 bis hin zu Exoten wie Comedy Central oder MTV. RTL mit Schwestersendern wie Vox fehlt dagegen. Dennoch sind laut Geschäftsführerin Katja Hofem auf Joyn „67 Prozent des deutschen TV-Angebots zu sehen“. In den Mediatheken finden sich hauseigene Sendungen von „Joko und Klaas gegen ProSieben“ bis „Der letzte Bulle“. Und an Eigenproduktion bietet Joyn zum Start die dritte Staffel der wunderbaren Fremdschäm-Comedy „Jerks“ mit Christian Ulmen und Fahri Yardim (wir berichteten), die Grundschul-Comedy „Die Läusemutter“ mit Michael Kessler oder „Single Diaries“ mit Raul Richter, in dem es um die Liebe in der Single-Hauptstadt München geht. Joyn zeigt also schon zum Start einen recht spannenden TV-Mix – mit einem Nachteil: Weil nur die Öffentlich-Rechtlichen in HD zu sehen sind, ist die Bildqualität überschaubar.

So funktioniert Joyn

Derzeit ist die Nutzung noch extrem einfach und komfortabel. Per App oder im Browser auf joyn.de ist keine Anmeldung nötig. „Jerks“ & Co. starten nach wenigen Sekunden – und nach dem obligatorischen Werbespot. Joyn läuft auf iPhone, iPad, Android-Geräten, PC und Mac. Von dort aus lässt sich das Programm beispielsweise per HDMI-Kabel auf den Fernseher bringen. Das klappt aber auch mit Amazons Fernsehbox Fire TV oder demnächst auf Samsung-Smart-TVs ab Modelljahr 2017.

Das plant Joyn

Die kostenpflichtige Premium-Version soll künftig mehr HD-Fernsehen sowie zusätzlich die Inhalte von Maxdome und den Eurosport Player bieten. Dann sind auch die Bundesliga-Spiele von Eurosport auf Joyn zu sehen. Weitere Eigenproduktionen kommen auch: „Check Check“ mit Klaas Heufer-Umlauf spielt auf einem tristen Provinzflughafen. Und in „Frau Jordan stellt gleich“ spielt Katrin Bauerfeind eine Gleichstellungsbeauftragte, die es nicht leicht hat.

Das sind die Konkurrenten

Der Schweizer Streamingdienst Zattoo ist schon seit 2006 online. Mit dem kostenlosen Free-Paket sind dort vor allem ARD und ZDF mit ihren Ablegern zu sehen. Im Premium-Tarif für 9,99 Euro im Monat laufen die Privaten von RTL bis ProSieben dann sogar in HD. Waipu kommt aus München und streamt die Öffentlich-Rechtlichen ebenfalls gratis. In den Paketen Comfort und Perfect für 4,99 Euro bzw. 9,99 Euro kommen die Privaten dazu. Allerdings sind RTL und Vox hier grundsätzlich nicht in HD zu sehen. Völlig unzeitgemäß verlangt Waipu fünf Euro zusätzlich für die mobile Nutzung. Im Streaming-Amtsdeutsch heißt das „Unterwegs- und Reisenutzung“. MagentaTV kostet für Telekom-Kunden 4,95 Euro im Monat, alle anderen zahlen 7,95 Euro. Die Privaten kosten fünf Euro extra – dafür in HD-Qualität.

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