„Die Auswahl kann sich sehen lassen“

von Redaktion

INTERVIEW Jury-Präsident Klaus Schaefer über die Fernsehfilmpremieren auf dem Filmfest

Seit einigen Jahren wird im Rahmen des Münchner Filmfests der Bernd-Burgemeister-Preis für den besten Fernsehfilm verliehen. In der Jury sitzt Klaus Schaefer, der ehemalige Geschäftsführer des Filmfernsehfonds Bayern. Wir sprachen mit dem 66-Jährigen über die Trends beim Fernsehen.

Das Münchner Filmfest ist seit jeher dafür bekannt, dass neben den Kinofilmen starke Fernsehproduktionen vorgestellt werden. Ist das heuer auch so? Sie haben die Filme ja alle schon gesehen…

Ja, das kann man so sagen. Die Reihe Neues deutsches Fernsehen ist ja ein kuratiertes Programm, das heißt, die Programmverantwortlichen des Filmfests haben aus der Fülle von Produktionen, die in diesem Land fürs Fernsehen gedreht werden, eine handverlesene Auswahl getroffen – und die kann sich sehen lassen.

Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte?

Ganz eindeutig im Bereich Beziehung, Ehe, Familie, auch ein Kinderdrama ist dabei. Allein neun Filme, die auf dem Filmfest in den nächsten Tagen Premiere feiern, kommen aus diesem Themenbereich. Sie haben natürlich alle trotzdem eine eigene Handschrift.

Werden die Geschichten in der Form des Krimis erzählt? Oder als klassisches Fernsehspiel?

Da weichen die Grenzen immer mehr auf. Wir haben heuer auch echte Krimis im Programm – wie beispielsweise „Ein verhängnisvoller Plan“ oder „Wiener Blut“, die aber in ihrer Machart jeweils sehr speziell und besonders sind. Auch die Familiendramen wie beispielsweise „Stumme Schreie“ oder „Totgeschwiegen“ werden mit Aspekten eines Krimis erzählt – allerdings steht hier dann nicht die Ermittlungsarbeit irgendwelcher Kommissare im Mittelpunkt, sondern die Dramen, die sich in den Familien abspielen, und die Frage, wie die einzelnen Figuren damit umgehen.

Viele Zuschauer beklagen ja ohnehin die Krimiflut im Fernsehen.

Ja, das mag stimmen. Das Filmfest hat aber nun bewusst einen anderen Schwerpunkt gesetzt, und das finde ich auch gut so. Man muss ja auch zeigen, was es sonst noch gibt – jenseits des Krimis. Eine Tendenz für das lineare Fernsehen würde ich davon aber nicht ableiten wollen. Dazu laufen die Krimis einfach zu erfolgreich. Man kann aber durch ein Filmfest die Aufmerksamkeit für die anderen Genres erhöhen.

Am Sonntag wird der Bernd-Burgemeister-Preis für den besten Fernsehfilm des Filmfests verliehen. Haben Sie als Jury-Präsident Ihre persönliche Entscheidung schon gefällt?

(Lacht.) Ja, das habe ich. Aber ich darf sie natürlich noch nicht verraten. Sonst würde ich den Gewinner preisgeben.

Serien sind bei diesem Preis nicht nominiert, werden aber immer wichtiger und beliebter – und haben beim Filmfest eine eigene Sparte.

Ich denke, Serien waren immer wichtig für die Fernsehzuschauer. Dass sie im Moment so viel Aufmerksamkeit bekommen, hat damit zu tun, dass es über Streamingdienste oder Mediatheken die Möglichkeit gibt, die einzelnen Folgen am Stück anzuschauen. Davon machen viele Zuschauer Gebrauch.

Und es gibt klasse Serien, gerade bei den Online-Anbietern.

Ja, das stimmt. Da gibt es tolle Autoren, Regisseure, Schauspieler und Produzenten, die kreativ Großes leisten. Sie profitieren natürlich davon, dass in diesem Bereich sehr viel investiert wird. Das ist eine gute Entwicklung. Und eine Chance für Branche.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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