Über Kreuz mit Queer

von Redaktion

Online-Petition gegen Pro Sieben-Format „Queen of Drags“ mit Heidi Klum

VON GREGOR THOLL

Bisher umgab sich Heidi Klum einmal im Jahr mit jungen Frauen (unter ihnen zuletzt auch transsexuelle), aus denen sie „Germany’s Next Topmodel“ rekrutierte. Nun soll die Modelmama wie berichtet für ihren Haussender Pro Sieben Dragqueens casten – in der neuen Show „Queen of Drags“, die für den Winter geplant ist. Doch in der queeren Szene stößt das Format, in dem auch Musiker Bill Kaulitz und ESC-Gewinner Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst auftreten sollen, auf Kritik.

In einer Online-Petition der Berliner Szenegrößen Ryan Stecken und Margot Schlönzke, die bereits einige tausend Menschen unterschrieben haben, heißt es: „Wir sehen es als problematisch an, dass eine heteronormative weiße Frau, die bisher keinerlei nennenswerte sichtbare Verbindung zur Drag-Community hatte und bisher auch nicht das Leben einer Drag gelebt hat, nun der deutschen Version der wahrscheinlich erfolgreichsten queeren Sendereihe vorsitzen soll und damit Geld verdienen wird. Dies geht unserer Ansicht nach über eine ,kulturelle Aneignung‘ hinaus, wir sehen dies als kulturellen Missbrauch!“

Von den Initiatoren der Petition ist in Sozialen Netzwerken zu lesen, dass es viele Alternativen zu Klum geben würde, etwa Promis wie Guido Maria Kretschmar, Ralph Morgenstern, Lilo Wanders, Hella von Sinnen, Desirée Nick, Harald Glööckler oder Georg „Mary“ Preuße. Unterstützung für Klum kommt derweil von Olivia Jones, einer der bekanntesten Dragqueens Deutschlands, die nach eigenen Angaben auch selbst in dem Format auftauchen wird. Auf ihrer Website schrieb Jones: „Damit bekommen Dragqueens in Deutschland erstmals bei einem großen deutschen Sender eine eigene Prime Time Show.“ Den Durchbruch habe am Ende Heidi Klum gebracht, in dem sie bei „Germany’s Next Topmodel“ den Mut gehabt habe, Dragqueens eine Plattform zu geben und in dem sie sich danach für ein eigenes Dragqueen-Format stark gemacht habe. „Endlich können auch deutsche Drags mal allen zeigen, dass sie sich hinter ihren amerikanischen Kolleginnen nicht verstecken müssen und wir eine unglaublich vielfältige Szene haben.“

Bislang auf keine große Kritik stieß die Ankündigung des Senders RTL, für seinen Streamingdienst eine Art „Bachelor“-Show für Schwule zu produzieren. „Mit ,Prince Charming‘ startet TV Now die erste Gay-Dating-Show in Deutschland“, hieß es vom Kölner Privatsender. „Im November wird ein Mann in mehreren Etappen und unter mehreren Kandidaten seinen Traumprinzen wählen.“

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