Ein Lächeln breitet sich über das schmal gewordene Gesicht von Alfred Biolek aus. Nein, einen Wunsch zu seinem 85. Geburtstag an diesem Mittwoch hat er nicht mehr. „In diesem Alter ist man jetzt relaxt“, sagt er. „Es ist soviel passiert in meinem Leben. Es war alles anders.“ Sein heutiges Leben bestehe zu einem großen Teil aus Erinnerungen. „Ich erinnere mich gern an die tollen Zeiten, versuche aber auch heute, ein gutes Leben zu führen. Das heutige ,gut‘ ist anders als das damalige ,gut‘, als ich noch aktiv war.“
Alfred Franz Maria Biolek, genannt „Bio“, sitzt in seinem Kölner Stammrestaurant Acht und nippt an einem Milchkaffee. Seinen Geburtstag will er klein feiern, mit wenigen Freunden auf der Terrasse seiner Wohnung. „Kein Fest draußen, keine große Party, das hat’s ja alles gegeben, das ist vorbei.“
Der Mann mit der markanten Glatze und der Nickelbrille prägte für Jahrzehnte die deutsche Fernsehunterhaltung. Dabei deutete zunächst nichts darauf hin, dass der Sohn eines Rechtsanwalts aus dem mährischen Freistadt (heute Tschechien) einmal vor der Kamera landen würde. Biolek, dessen Familie sich nach der Vertreibung in Waiblingen (Baden-Württemberg) niederließ, studierte Jura und fing 1963 als Justiziar beim ZDF an. Doch schnell wechselte er ins Programm, unter anderem als Moderator von Sendungen wie „Tips für Autofahrer“ und „Die Drehscheibe“.
Im Jahr 1969 ging Biolek zur Münchner Bavaria. Dort schaffte er mit Rudi Carrells „Am laufenden Band“ (ARD) seinen Durchbruch als Produzent. Gerühmt wurde seine feine Nase für Talente. Er holte Monty Python nach Deutschland und entdeckte in der Amsterdamer Kleinkunstszene Liedermacher Hermann van Veen. Auch privat wurde 1969 ein einschneidendes Jahr für ihn. Biolek brach mit seinem bürgerlichen Leben und begann, offen schwul zu leben. „Ich habe meine Krawatten rausgerissen und weggeschmissen und angefangen, ein anderes Leben zu leben“, erinnert er sich.
Erst im Jahr 1991 wurde er in der RTL-Talkshow „Explosiv – Der heiße Stuhl“ vom Filmemacher Rosa von Praunheim geoutet. Eine für ihn unangenehme, aber letztlich auch heilsame Erfahrung: „Ich habe einen Schlag bekommen, der sehr weh getan hat, aber irgendwo hat dieser Schlag eine Verspanntheit gelöst, die danach weg war.“
Selbst zum Star wurde er mit der Revue „Bio’s Bahnhof“ (1978-1992), der Talkshow „Boulevard Bio“ (1991-2003) und der Kochshow „Alfredissimo“ (1994-2007). Umstritten war sein plaudernder Interviewstil. Dem Publikum gefiel das, Kritiker sprachen von Anbiederung. Im Jahr 2007 zog sich Biolek aus dem Fernsehgeschäft zurück.
Seinen hohen Bekanntheitsgrad nutzte der einstige Grandseigneur der Fernsehunterhaltung, der bis heute weder Internet noch Smartphone nutzt, auch für soziales Engagement, positionierte sich im Kampf gegen Aids. Im Jahr 2005 gründete Biolek die „Alfred Biolek Stiftung – Hilfe für Afrika“, die sich dafür einsetzte, jungen Menschen in Afrika einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.
Lange war Biolek ein fester Bestandteil der Berliner Gesellschaft. Wenn er eines seiner rauschenden Feste gab, kamen alle – der Regierende Bürgermeister, der Ex-Kanzler, der Bundespräsident. Doch 2010 änderte sich sein Leben von einem Tag auf den anderen. Er stürzte schwer, zog sich Kopfverletzungen zu und fiel ins Koma. Danach war für einige Zeit sein Gedächtnis weg. Als Konsequenz aus dem Unfall zog Biolek von Berlin zurück nach Köln. Es sei ihm aufgefallen, dass er in der Hauptstadt zwar viele Bekannte habe, seine richtigen Freunde aber überwiegend in Köln wohnten. Allen voran kümmert sich heute sein Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie um ihn.
Angst vor dem Tod hat Biolek nicht, und er kann auch genau sagen, warum: „Ich habe keine Vorstellung davon, was nach dem Tod passiert, aber ich bin ganz offen, und mit dieser Haltung werde ich auch das ertragen.“ Bisher sei das Leben gut zu ihm gewesen, warum sollte sich das zum Schluss plötzlich ändern? „Ich habe das Gefühl, ich werde den Tod genauso entspannt erleben wie alle Dinge in meinem Leben.“