Sie ist seit 14 Jahren Bundeskanzlerin und galt viele Jahre als machtbewusste Politikerin, die keine Konkurrenz fürchten musste. Doch zuletzt wirkte Angela Merkel zumindest körperlich angezählt, mehrere Zitteranfälle sorgten für Schlagzeilen. Morgen wird die Kanzlerin 65 – für das ZDF Anlass für ein Porträt mit dem Titel „Mensch Merkel!“, das schon heute (20.15 Uhr), einen Tag vor ihrem Geburtstag, zu sehen ist.
Um mögliche Gesundheitsprobleme der Regierungschefin geht es in dem Porträt allerdings nicht, der Beitrag von Bernd Reufels, in dem Sympathisanten und Kritiker der Kanzlerin ausführlich zu Wort kommen, zieht vor allem eine Bilanz ihrer Politik, stellt aber auch die Frage nach dem Menschen hinter der mächtigsten Frau der Welt.
Eine Frage, die allerdings auch diese Doku nicht beantworten kann, denn kaum jemand scheint die Kanzlerin, die 2013 ausgerechnet mit dem Slogan „Sie kennen mich!“ in den Bundestagswahlkampf zog, wirklich zu kennen. „Das sagen selbst Menschen, die lange und intensiv mit ihr zusammengearbeitet haben“, betont Dokumentarfilmer Reufels.
Der Autor zieht eine durchaus kritische Bilanz von Merkels Regierungsarbeit, thematisiert etwa den umstrittenen Ausstieg aus der Atomenergie oder ihre Position in der Flüchtlingskrise vor vier Jahren. „Sie hat vor allen Dingen vielfältige Spaltungen hinterlassen. Eine gespaltene CDU, tiefe Spaltungen in der Gesellschaft – und durch die Flüchtlingspolitik sogar Spaltungen in Europa“, sagt etwa der Historiker und Merkel-Kritiker Andreas Rödder.
Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, ebenfalls kein Freund der der Kanzlerin, bemängelt in dem ZDF-Beitrag, Merkel habe die AfD erst möglich gemacht. Wer seine Politik als „alternativlos“ bezeichne, dürfe sich nicht wundern, wenn rechts von der CDU eine Partei mit dem Begriff Alternative im Namen entstehe. Der Journalist und Verleger Jakob Augstein bezeichnet die Kanzlerin in dem Beitrag in diesem Sinne gar als „Mutter der AfD“.
Andere Stimmen in der Doku, etwa von der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer oder dem früheren Innenminister Thomas de Maizière, heben Angela Merkels unaufgeregte Herangehensweise an politische Probleme hervor und den analytischen Sachverstand der promovierten Physikerin, die zudem überhaupt nicht eitel sei. Sie sei in turbulenten Zeiten ein „Fels in der Brandung“, lobt der frühere britische Premierminister Tony Blair die Kanzlerin.
Anerkennend äußert sie Freund wie Feind zu Merkels Durchsetzungsstärke. Der politische Werdegang der Pfarrerstochter aus der DDR, die nach dem Mauerfall in der westdeutschen CDU eine außerordentliche Karriere durchlief und dabei im Kampf um Ämter und Positionen zahlreiche innerparteiliche Rivalen besiegte, nötigt selbst ihren Gegnern Respekt ab.
Viele in der CDU hätten gedacht, „sie wählen die ‚Mutti‘ für ein Jahr oder für zwei Jahre, und dann schicken sie sie wieder nach Hause“, sagt etwa Linken-Politiker Gregor Gysi: „Sie hat aber die nach Hause geschickt. Das musst du erst mal können.“