Bis heute gilt sie als Synonym für vieles, was schief lief bei der deutschen Wiedervereinigung: die Treuhand. Ein ebenso spannender wie kluger Film blickt nun hinter die Kulissen der Behörde, die einst die DDR abwickelte. Die Dokumentation „D-Mark, Einheit, Vaterland – Das schwierige Erbe der Treuhand“, die Arte morgen um 22.05 Uhr ausstrahlt, zeichnet jene Jahre nach, in denen die Treuhand zum Synonym für Bevormundung und Übernahme des Ostens durch den Westen wurde.
Der Film wirft dabei einen intensiven Blick hinter die Kulissen der stark angefeindeten Anstalt. Er fragt nach ihrer Verantwortung dafür, dass fast drei Millionen Ostdeutsche innerhalb kürzester Zeit ihre Arbeit verloren. Aber auch nach der Rolle der Politik, die die Treuhand einsetzte, bevollmächtigte und lange ziemlich allein ließ mit ihrer großen Aufgabe.
Die Autoren Inge Kloepfer und Jobst Knigge befragen dazu unter anderen die langjährige Treuhand-Präsidentin Birgit Breuel, die das Amt 1991 nach der Ermordung ihres Chefs Detlev Rohwedder durch die RAF übernahm. Zu ihrem Job gehörte auch „die Rolle des Buhmanns“: Breuel wurde zur Hassfigur, zum Feindbild vieler Ostdeutscher, die sich um ihre Zukunft betrogen sahen – und sehen.
Tatsächlich war die CDU-Politikerin und einstige niedersächsische Finanzministerin eine Verfechterin von radikalen Privatisierungen – im Gegensatz zum SPD-Mitglied und Treuhand-Vorstandskollegen Rohwedder, der sich eher um Sanierungen bemühte. Mit Breuels Übernahme des Chefsessels war demnach klar, welche Richtung die Anstalt einschlagen würde. Durchaus offen und selbstkritisch blickt Breuel zurück auf diese chaotische Zeit Anfang der Neunzigerjahre.
Neben ihr kommen zahlreiche weitere Protagonisten zu Wort: die Treuhand-Mitarbeiter Brigitta Kauers und Norbert Thiele, Helmut Kohls damaliger Wirtschaftsberater Johannes Ludewig und Lothar de Maizière. Als Experten ordnen der Ökonom Hans-Werner Sinn und der Historiker Marcus Böick, der ein Buch über die Treuhand geschrieben hat, das Geschehen ein. KATHARINA ZECKAU