„Ich bin fürchterlich schusselig“

von Redaktion

Schauspielerin Saskia Vester über ihren 60., Wege aus dem Chaos und Zeiten der Erschöpfung

Ob „Tatort“ oder Komödie, ob liebende Mutter oder taffe Geschäftsführerin – diese Frau ist immer wieder ein Hingucker. Und ansteckend erfrischend ist sie den meisten ihrer Rollen auch. Und nun wird sie 60 Jahre jung! Saskia Vester, seit über 30 Jahren mit dem Produzenten Robert „Robbie“ Flörke (60) verheiratet und Mutter von Bruno (30) und Josephine (26), spricht über ihren Geburtstag, ihre Kinder und überhaupt ihr Privatleben.

Feiern Sie Ihren 60. groß – oder stimmen Sie schon so langsam den Trauermarsch an?

Die 60 ist für mich ein so absurdes Alter. Ich weiß gar nicht, ob ich das tatsächlich bin! Das kann doch gar nicht sein!

Was kann man Ihnen schenken?

(Überlegt kurz.) Ich habe alles! Ich bin vom Leben so reich beschenkt. Das größte Geschenk aber wäre, dass alle mein Lieben gesund bleiben.

Der 60. ist eine gute Gelegenheit für eine private Bilanz – haben Sie eine Schwäche oder einen Tick?

Ich habe viele Schwächen und viele Ticks! Das ist aber immer eine Frage der Interpretation: Was versteht man darunter? Ich glaube, ich habe die Schwäche, dass ich nie etwas für mich kaufe. Mein Mann muss mich immer anschubsen und sagen: ,Jetzt kauf doch mal etwas für dich!’ Ich sehe Dinge und denke: Ah, das ist etwas für meine Tochter. Ah, das ist etwas für meinen Mann. Oh, das kaufe ich für meinen Sohn. So war das immer, und vielleicht ist das eine Schwäche.

Gehen Sie wirklich nie für sich selbst shoppen?

Mich interessieren Klamotten und Labels und so etwas nicht die Bohne. Vielleicht liegt es daran, dass ich ständig im Film mit solchen Sachen zu tun habe. Ich muss immer wieder neue Kleider anziehen, habe Kostümproben hier und dort. Ich muss mit einer Kostümbildnerin durch die Stadt laufen und shoppen. Das Thema ist bei mir persönlich einfach durch. Es ist für mich mit Arbeit verbunden und nicht mit einer Freude, einkaufen zu gehen.

Klingt pragmatisch – in welchen Bereichen des Lebens sind Sie es nicht?

Da gibt es tausend Sachen: Fliegen, Hausarbeit, Computer, Organisation vor allen Dingen. Ich bin fürchterlich schusselig. Ich fahre nach Berlin, um auf die Filmabschlussparty zu gehen, und natürlich vergesse ich mein Kleid zuhause. Solche Sachen passieren mir ständig. Ich bin ein kompletter Chaot!

Sie arbeiten viel, und man konnte vor einiger Zeit etwas von einem Burnout lesen, aber auch von Existenzangst. Das Leben eines freischaffenden Künstlers bietet das alles – wie regulieren Sie das für sich?

Ich reguliere meine Arbeit gar nicht, das kann man nicht, denn man weiß ja nie, was in diesem Beruf kommt. Wenn ich ein Projekt zusage, weil mir das Drehbuch gefällt oder ich die Rolle unbedingt spielen will, dann kann es schnell passieren, dass ich drei Projekte hintereinander zu drehen habe. Das ist halt das große Problem in diesem Beruf.

Hatten Sie tatsächlich einen Burnout?

Ich hatte einen Burnout, aber das ist schon länger her, und es ist für mich jetzt kein Thema mehr. Es war zu der Zeit wirklich so, dass ich morgens aufgestanden bin und keinen Antrieb hatte. Es fühlt sich etwas anders an als eine Depression. Das war wie ein kleiner Zusammenbruch, eine Form von Erschöpfung – aber das ist Schnee von gestern und mir geht es gut. (Strahlt.)

Wer hilft Ihnen in solchen Situationen?

Mein Mann hilft mir grundsätzlich immer. Er ist für mich der Fels in der Brandung.

Das Gespräch führte Julien Sandé.

Artikel 2 von 2