Frauenschwarm, perfekter Schwiegersohn und blonder Vorzeige-Amerikaner: Robert Redford bezaubert seit bald 60 Jahren das Publikum und war früher das vielleicht größte männliche Sexsymbol, das Hollywood anzubieten hatte. Doch nie war Robert Redford, mittlerweile 82 Jahre alt, ein oberflächlicher Schönling ohne Sinn und Verstand: Der gebürtige Kalifornier setzte sich zeit seines Lebens für Umweltschutz, Minderheiten und Kunst ein, wovon in erster Linie das von ihm gegründete Sundance Film Festival zeugt, bei dem Jahr für Jahr außergewöhnliche Produktionen gezeigt und ausgezeichnet werden. Die französische Dokumentation „Robert Redford – The Golden Look“, die am Sonntag um 22.05 Uhr bei Arte zu sehen ist, wird dem Werk und Wirken des amerikanischen Superstars vollauf gerecht, krankt aber daran, dass sie auf die Brüche und Widersprüche in Redfords Leben nur ganz am Rande eingeht.
So hätte man zum Beispiel gerne etwas mehr über das Zerwürfnis zwischen Robert Redford und seinem Lieblingsregisseur und besten Freund Sidney Pollack erfahren, unter dessen Regie er Klassiker wie „Die drei Tage des Condor“ oder „Jenseits von Afrika“ drehte. Seinen Durchbruch als Schauspieler feierte Redford, der eigentlich Maler werden wollte und in Europa Kunst studierte, aber mit dem Film eines anderen Regisseurs: 1969 brillierte er an der Seite Paul Newmans in George Roy Hills Westernkomödie „Zwei Banditen“. Die Filmwelt war auf Redford zwar schon zwei Jahre vorher aufmerksam geworden, als Jane Fonda und er in der romantischen Liebeskomödie „Barfuß im Park“ als frisch verheiratetes und chaotisches Paar glänzten. Doch erst „Zwei Banditen“ war der Startschuss zu einer internationalen Karriere, wie es sie auch in Hollywood nur selten gibt: Es folgten bekannte Filme mit dem blonden Markenzeichen Redford, wie etwa die Gaunerposse „Der Clou“.
Zuschauerinnen überall auf der Welt verliebten sich in den blonden Schlingel, der auch im hohen Alter noch eine magnetische Anziehungskraft auf Frauen auszuüben scheint, wie seine Filmpartnerin Jane Fonda vor zwei Jahren bei der Vorstellung eines gemeinsamen Kinostreifens bei den Filmfestspielen in Venedig bestätigte. Doch natürlich geht es in der Dokumentation nicht nur um den Frauenschwarm Redford, sondern auch um den Aktivisten, der sich seit ein paar Jahren unter anderem vehement für den Klimaschutz engagiert und mit seinem Sundance-Institut für unabhängige Filmemacher stark macht.
Dem wiederholt an ihn herangetragenen Ruf in die Politik widerstand Robert Redford, der auch in Deutschland viele Fans hat und seit zehn Jahren mit der deutschen Malerin Sibylle Szaggars verheiratet ist, aber bis heute: Er fühlt sich in der Rolle des Künstlers, der dank seiner Popularität etwas zur Verbesserung der Welt beitragen kann, einfach wohler.