Ein letztes Mal kommt die „Lindenstraße“ am Sonntag aus der Sommerpause zurück, die Episode 1727 läuft um 19.30 Uhr in der ARD. Im März 2020 wird die Kultserie nach 34 Jahren endgültig eingestellt. Erfunden wurde sie in den Achtzigern von Hans W. Geißendörfer, seit 2015 ist seine Tochter Hana als hauptverantwortliche Produzentin für die Serie zuständig. Wir sprachen mit der 35-Jährigen über den Abschied.
Wie ist die Stimmung im „Lindenstraße“-Team?
Gemischt, da gehen viele Gefühle durcheinander. Für viele altgediente Teammitglieder ist die „Lindenstraße“ ein sehr langer Lebensabschnitt. Wir sind natürlich alle sehr traurig, dass es zu Ende geht, aber produzieren zum Schluss zusammen noch ein paar richtig gute Folgen.
Hat es Sie überrascht, als die ARD das Aus verkündete?
Ja.
Aber die Serie stand seit Jahren auf der Kippe.
Üblich war, dass der Vertrag alle zwei, drei Jahre verlängert werden musste – die letzten Vertragsverlängerungen waren keine Selbstverständlichkeit. Das Aus hätte mich aber 2016 weniger überrascht als diesmal, weil wir auf einem guten Weg sind, die Serie zu modernisieren.
Sind Sie sauer über die Entscheidung der ARD?
Ich bin eher enttäuscht.
Die Einschaltquoten sind seit Jahren rückläufig …
Ja, aber das ist auch dem Wandel der Zeit geschuldet. Zudem ist die „Lindenstraße“ öfter in der ARD ausgefallen und lief nur in One, oder die Sendezeit wurde verschoben, was die Zuschauerbindung nicht fördert. Die Quote ist zudem von 2017 auf 2018 im Durchschnitt leicht gestiegen. Ich bin sehr gespannt, welches Format künftig auf unserem Sendeplatz regelmäßig um die zwei Millionen Zuschauer erreicht. Aus meiner Sicht stellt sich aber auch die Frage, ob ein öffentlich-rechtlicher Sender nur auf die Quote gucken sollte.
Die ARD beklagt, dass die Kosten zu hoch seien.
Unsere Kosten sind nicht gestiegen. Wenn man sich das Format nicht mehr leisten will, ist das natürlich was anderes.
Gedreht wird bis Dezember, wie geht es bis zum Finale im März weiter?
Ich kann versprechen, dass noch einiges geboten wird, außerdem dürfen sich die Zuschauer auf ein Wiedersehen mit alten Figuren freuen. Benny Beimer und Momo Sperling beispielsweise.
Was sagt Ihr Vater zum Aus der Serie?
Das geht ihm schon nahe, die „Lindenstraße“ ist sein Lebenswerk. Aber er sieht das auch sportlich. Wir wollen jetzt auf jeden Fall noch ein ganz besonderes halbes Jahr abliefern, damit die Serie in bester Erinnerung bleibt.
Wie?
Das verrate ich natürlich nicht. Ich kann nur so viel sagen, dass bis zum Ende noch einiges passiert, es wird noch zwei Todesfälle, eine Hochzeit und eine Geburt geben. Und mein Vater und ich spielen auch noch einmal mit.
Das Gespräch führte Martin Weber.