Mit den Augen der Kinder

von Redaktion

Der Kika erinnert mit der gelungenen Serie „Der Krieg und ich“ an den Zweiten Weltkrieg

VON KLAUS BRAEUER

Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, begann der Zweite Weltkrieg. Aus Anlass des Jahrestags erscheinen derzeit zahlreiche neue Bücher, Spielfilme und Dokumentationen zum Thema. Nun erzählt eine neue Fernsehserie den Krieg aus dem Blickwinkel von Kindern, die ihn miterleben mussten. So wollen die Macher versuchen, die Katastrophe für Heranwachsende von heute leichter begreifbar zu machen. Der Kinderkanal (Kika) von ARD und ZDF zeigt die achtteilige Reihe „Der Krieg und ich“ von Samstag an jeweils um 20 Uhr. Als Ergänzung gibt es im Internet ein umfangreiches pädagogisches Begleitprogramm samt Online-Chat.

„Der Zweite Weltkrieg – Kinder wie wir haben ihn vor langer Zeit erlebt. Nun wollen wir Euch davon erzählen.“ So beginnt die Serie im Jahr 1938 in Deutschland, wo der zehnjährige Anton (Juri Gayed) lebt, der so gerne bei der Hitlerjugend mit marschieren möchte. Sein Vater (Florian Lukas) weigert sich hartnäckig, den entsprechenden Antrag zu unterschreiben, mit den Worten: „Ich kann nicht dabei zugucken, wie sie aus Dir einen Nazi machen.“ Anton versteht das nicht. Doch auch seine Freundin Greta (Gwendolyn Göbel) hält nichts von seinen Plänen – als Jüdin gerät sie bald in große Gefahr.

Quer durch Europa kommen fortan weitere Kinder zu Wort, die während des Krieges zwischen zehn und 15 Jahren alt waren: Der Vater des norwegischen Fischerbuben Fritjof (Nils Sand) ist an der Front, und so muss Fritjof arbeiten gehen. Sandrine (Mina Christ) lebt in einem Dorf in Frankreich, zusammen mit versteckten Flüchtlingen aus Deutschland. Ihre Mutter (Marie-Lou Sellem) und ihr Vater (Jean-Luc Bubert), ein Dorfpfarrer, unterstützen derweil Juden. Calum (Ruairidh Harris) aus Schottland will nur noch, dass die Kämpfe endlich aufhören. Justus (Arved Friese) ist 15 und wird kurz vor Kriegsende 1945 noch Soldat, während Eva (Natalie Vágnerová) als tschechisches Waisenkind ins KZ nach Auschwitz deportiert wird.

Autor und Regisseur Matthias Zirzow, der etwa „Schloss Einstein“ für den Kika inszenierte, und Produzent Gunnar Dedio zeigen Charaktere, die Kindern von heute die Identifikation mit ihren Altersgenossen von damals erleichtern. Zudem stellen sie mithilfe von Archivmaterial und Animationen die Ereignisse zwischen 1938 und 1945 dar. Motive mit realistisch gestalteten Puppen und Szenen mit Schauspielern orientieren sich an historischen Vorbildern, belegt zum Beispiel anhand von Tagebüchern und Biografien aus mehreren Ländern. Die Geschichten werden chronologisch erzählt. Die Schauplätze wechseln in jeder Folge, die Kommentare haben durchweg eine erklärende und einordnende Funktion.

„Für Kinder ist es noch viel schwerer, das alles zu begreifen, da können Emotionen hilfreich sein. Gespräche in der Familie sind sicher eine sehr gute Basis, um Verständnis zu bekommen und den Blick zu weiten auf das, was uns alle angeht“, sagt Florian Lukas. „Gerade durch unsere Reihe können Kinder meiner Meinung nach begreifen, dass das Geschehen von früher etwas ist, was mit uns heute zu tun hat“, ist der Schauspieler überzeugt. „Das neue Wissen können sie dann mit den Eltern und in der Schule vertiefen.“

Der 13 Jahre junge Darsteller Juri Gayed ergänzt: „Durch die Schule wusste ich schon einiges über das Thema Krieg.“ Er habe auch ein paar Bücher – doch zuhause sei der Weltkrieg kein großes Thema. „Denn meine Eltern und auch meine Großeltern sind zu jung, um über diese Zeit etwas zu erzählen – außer mein Opa, der als Kind aus Polen fliehen musste nach dem Überfall der Deutschen.“

Die ausgesprochen gelungene, pädagogisch klug aufgebaute Serie zeigt, wie viel Schreckliches Kinder damals erlebt und erlitten haben – Tod und Zerstörung, Verfolgung, Verrat, aber auch Mitgefühl und Solidarität. „Der Krieg und ich“ beschönigt nichts und ist auch deshalb ein besonderes Fernsehereignis – und das nicht nur für Kinder ab acht Jahren, die die einzelnen Folgen am besten zusammen mit ihren Eltern anschauen sollten. Denn die können dabei sicher auch noch etwas lernen.

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