Das ganze Leben ist kein Spiel

von Redaktion

INTERVIEW Emma Bading brilliert in dem ARD-Drama „Play“ – sie selbst sieht digitale Versuchungen kritisch

Sie kommt aus einer Schauspielerfamilie – und das merkt man Emma Bading an. Wie sie im ARD-Drama „Play“, zu sehen heute um 20.15 Uhr, eine 17-Jährige spielt, die sich in der virtuellen Welt eines Computerspiels verliert, ist großes Kino. Seit ihrem 13. Lebensjahr ist die 21-Jährige regelmäßig in Fernsehen und Kino zu sehen – in Krimis wie in Komödien. Der Wechsel zwischen den Genres sei ihr wichtig, erzählt die kluge junge Frau im Interview.

Wie schützen Sie sich davor, zu viel Zeit am Handy zu verbringen?

Indem ich bei keinem Sozialen Netzwerk angemeldet bin. Denn das ist genau das Problem: Das ist eine virtuelle Welt, die uns vorgaukelt, das, was wir sehen, sei die Realität. Ich kann mir nicht vorstellen, dem zu entkommen, wenn ich es nutze.

Haben Sie keine Angst, etwas zu verpassen?

Diese Sorge höre ich von meinen Freunden oft. Aber dieser Gedanke zu Ende gedacht heißt, dass wir in jeder Sekunde ständig etwas verpassen. So zu denken ist doch Wahnsinn! Auf der ganzen Welt passieren ununterbrochen Dinge, die man nicht miterlebt. Da kann man gelassen sagen: Das hier ist mein Weg, den gehe ich jetzt und dabei verpasse ich nichts. Mein Weg wird schon an den Stellen vorbeiführen, die wichtig sind für mein Leben.

Werden Sie denn nicht häufig gebeten, beruflich digital aktiv zu sein? Premierenfotos zu posten beispielsweise?

Beim Film „Meine teuflisch gute Freundin“ war es tatsächlich schon während des Drehs so, dass wir Schauspieler Tablets bekamen, um Fotos zu machen, die dann zur Premiere in den Sozialen Netzwerken gepostet wurden. Das war absurd, aber anscheinend rutscht die virtuelle Welt immer näher mit der Realität zusammen, und irgendwann verschwimmen die Grenzen. Und die Menschen, die die Posts sehen, denken vielleicht: „Oh Mann, die hat keine Probleme, der geht’s immer gut, die ist ein Filmstar!“

In der Filmwelt sind Sie von Menschen umgeben, die Sie loben. Wie gelingt es Ihnen, echte Komplimente von falschen Schmeicheleien zu unterscheiden?

Ich fühle das irgendwie. Das Lob von Menschen, die mich wirklich kennen, bedeutet mir viel. Und den Rest nehme ich einfach so als Rückenwind mit. Das ist schön!

Ihre Projekte sind sehr unterschiedlich. Ist Ihnen dieser Wechsel wichtig?

Ja, unglaublich wichtig. Ich bin total gespannt, was da noch aus mir rauspurzelt. Ich habe sehr hohe Ansprüche, was die Wahl meiner Projekte angeht. Meine Eltern sagen, dass mich das noch in Teufels Küche bringt, aber bis jetzt bin ich noch nicht bereit, die hohen Ansprüche fallen zu lassen und etwas nur fürs Geld zu tun. Ich hoffe, dass ich auch weiterhin in der Lage sein kann, Filme aus Überzeugung zu machen. Denn warum macht man sonst Filme, wenn man nichts bewirken will damit? Einfach nur zu unterhalten reicht mir nicht.

Was war Ihr Antrieb bei „Play“?

Ich hoffe, dass die Zuschauer ein Verständnis für die Liebe zum Spiel bekommen. Und das nicht verurteilen. Gamer sind keine Versager. Viele Eltern wissen gar nicht, was ihre Kinder da in ihren Zimmern vollbringen. Die leben da etwas aus, was sie sonst nicht leben können. Das habe ich durch den Dreh verstanden.

Worin tauchen Sie ab, wenn alles zu viel wird?

Das ist eine gute Frage. Abtauchen ist eigentlich mein Alltag. Ich tauche in Rollen, ins Malen, ins Schreiben und jetzt gerade in die Organisation meines ersten eigenen Kurzfilmprojekts. Und wenn mir dann alles zu viel sein sollte, tauche ich zu meiner Familie. Da darf ich die Verantwortung abgeben und mich fallen lassen.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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