Im Abseits

von Redaktion

Uefa verkauft Rechte an der Fußball-EM in Deutschland an die Deutsche Telekom – ARD und ZDF gehen leer aus

VON MICHAEL ROSSMANN UND CLAAS HENNIG

Die Fans müssen sich bei der Fußballeuropameisterschaft im Jahr 2024 in Deutschland auf eine radikal neue Fernsehberichterstattung einstellen. Wie die „FAZ“ erfahren hat, steht die Deutsche Telekom kurz vor dem Kauf der Medienrechte des Heimturniers. Noch ist der Kontrakt mit der Europäischen Fußballunion (Uefa) nicht unterzeichnet, er soll aber schon in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Das Unternehmen wollte Berichte über den überraschenden Deal am Freitag nicht kommentieren.

Bislang übertrugen ARD und ZDF die EM-Turniere und werden das auch im kommenden Jahr tun, wenn in zwölf Ländern gespielt wird. Doch ausgerechnet beim Wettbieten für die EM 2024 im eigenen Land sind die Öffentlich-Rechtlichen wohl leer ausgegangen und müssen nun in einem zweiten Schritt versuchen, sich Sublizenzen zu sichern. Die Telekom schließt diese Möglichkeit nicht aus, wie es aus Verhandlungskreisen hieß.

ARD und ZDF hielten sich am Freitag mit Kommentaren zurück. „Da es sich um ein laufendes Ausschreibungsverfahren handelt, können wir uns dazu nicht äußern“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Ähnlich formulierte es das ZDF. Der Deutsche Fußballbund (DFB), Gastgeber der EM in fünf Jahren, wollte genauso wenig eine Stellungnahme abgeben wie die Uefa.

Den Großteil der Spiele dürfte die Telekom auf ihrer kostenpflichtigen Internetplattform Magenta TV zeigen. Übertragungen von EM-Spielen nur im Internet gab es bisher noch nicht – das wäre für viele ältere Fußballfans eine Umstellung. Der Rundfunkstaatsvertrag schreibt allerdings vor, dass bei der EM das Eröffnungsspiel, die Partien der deutschen Mannschaft, die Halbfinals und das Endspiel frei empfangbar sein müssen. Ob eine kostenfreie Telekom-Übertragung im Internet dafür reichen würde, ist derzeit offen.

Allein aus wirtschaftlichen Gründen erscheint ein Weiterverkauf der besonders wertvollen Rechte für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft wahrscheinlich. Die Kosten für das Rechtepaket der EM 2020 werden auf 150 Millionen Euro geschätzt – der Kontrakt für 2024 dürfte eher teurer sein.

Allerdings könnten die Rechte von der Telekom auch an andere Sender als ARD und ZDF verkauft werden. So ist RTL seit einigen Jahren wieder sehr aktiv im Fußball und überträgt die EM- und WM-Qualifikationsspiele. Auch bei den Ausschreibungen für diese Rechte waren ARD und ZDF leer ausgegangen.

Die Europameisterschaften waren bisher fest in der Hand von ARD und ZDF. Anders sieht es bei der Berichterstattung von den Weltmeisterschaften aus. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea hatte mit Sat.1 erstmals auch ein deutscher Privatsender WM-Spiele live übertragen. RTL hatte einige Spiele der Turniere in Deutschland 2006 und in Südafrika 2010 live gezeigt. Auch der Pay-TV-Sender Premiere, der jetzt Sky heißt, war von 2002 bis 2010 dreimal dabei.

Die Telekom hat bisher nur kleinere Sportrechte erworben. Sie zeigt unter anderem als Bezahlangebot Basketball, Eishockey und Live-Spiele aus der dritten Fußballliga.

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