Wäre dieser Film vor zwei Jahren entstanden – man hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gedacht: Welcher Drehbuchautor hat sich denn so einen Schmarrn ausgedacht?! Aber in der Geschichte, die am Samstagabend um 20.15 Uhr in einer neuen Folge der ZDF-Krimireihe „München Mord“ erzählt wird, steckt ein großes Stück Wahrheit. Zumindest ist die Kulisse, vor der die Handlung spielt, alles andere als frei erfunden.
Auf einem Waldfriedhof wird die Leiche eines Mannes gefunden. Bei ihren Recherchen stoßen die Ermittler (wie immer stark als Trio: Bernadette Heerwagen, Marcus Mittermeier und Alexander Held) auf einen ominösen Club für Superreiche, in dem der Tote regelmäßig verkehrte. Für eine Mitgliedschaft von schlappen 50000 Euro im Jahr können sich Männer hier in einem luxuriösen Kellergewölbe treffen, edle Weine trinken, teures Essen genießen, Zigarre rauchen und Geschäfte machen – während junge Frauen in goldenen Kleidchen die Atmosphäre als hübsches Beiwerk bereichern. Keine über 35 Jahre alt, alle unter 53 Kilo leicht. „Wellness für den Mann“ – so beschreibt es der Club-Betreiber Jochen Schildt, gespielt von Wolfgang Fierek.
Der Witz an der Geschichte: So ein Etablissement hat es in München tatsächlich gegeben! Contenance Club hieß es, auch wenn man die Fassung bei dem Gedanken daran eigentlich nur verlieren kann. Im Film ist der Club mit dem Namen #VRUS („We are us“ für „Mia san mia“) an der Dachauer Straße verortet, im echten Leben war die Luxus-Location von Ende 2017 bis Anfang 2018 an der Lindwurmstraße 122 untergebracht – hat inzwischen aber wieder geschlossen. Wohl mangels Erfolg. Die Macher von einst sind jedenfalls zerstritten, wollen am liebsten gar nichts mehr wissen von ihrem exklusiven „Millionärs-Club“ (wir berichteten). Die Räumlichkeiten aber gibt es noch heute, mit weniger Pomp und Plüsch ausgestattet als zu Contenance-Zeiten. Aber im Internet zu mieten als Eventlocation. Stichwort „Bavaria Gewölbe“.
Zurück zum ZDF-Film: Die Drehbuchautoren Friedrich Ani und Ina Jung erzählen wieder einmal mit sehr viel Liebe zu München von den vielen Abwegigkeiten dieser Stadt (siehe Interview). Von Männern, die ihr Glück im Club für Reiche suchen, von Frauen, die ohne diese Männer nichts wären (oder das zumindest glauben) und von Träumen, die zu Albträumen werden. Der heimliche Star des Films mit dem Titel „Die Unterirdischen“ ist Wolfgang Fierek. Der 68-Jährige spielt den Betreiber des Clubs so überirdisch gut und glaubwürdig, dass es eine Freude ist, ihm zuzuschauen. „Wir sind beinahe vom Stuhl gefallen, als wir hörten, dass er diese Rolle spielt“, sagt auch Autor Friedrich Ani: „Es hätte keine bessere Besetzung geben können.“ Nicht zuletzt dank Fierek verzeiht man dem Film am Ende die an der einen oder anderen Stelle arg holzschnittartige Inszenierung von Regisseur Jan Fehse.