Der Nachwuchsstar

von Redaktion

INTERVIEW Frank Elstner über seine preisgekrönte Talkshow bei Youtube und seine Zukunftspläne

Frank Elstner war in seiner Karriere immer für Überraschungen gut – aber einen Nachwuchspreis mit 77? Das ist selbst für ihn etwas Besonderes. Am Donnerstagabend wurde der Moderator in Berlin beim Youtube Goldene Kamera Digital Award als bester Newcomer ausgezeichnet. Für seinen Internettalk „Wetten, das war’s?“, in der der einstige Erfinder von „Wetten, dass…?“ Prominente interviewt.

Glückwunsch zur Auszeichnung! Ist das Ihr erster Nachwuchspreis?

Ich bin mir nicht sicher, ob einer meiner frühen Preise nicht auch ein Nachwuchspreis war. Aber in den vergangenen 30 Jahren habe ich keinen mehr bekommen. (Lacht.)

Und wie fühlt sich das an – Newcomer mit 77

Ich freue mich vor allem für die Menschen, die mich dazu angestachelt haben, im Internet diese Gesprächsreihe zu machen. Das war mein Sohn Thomas, und ich denke, wir haben da gemeinsam eine Sendung mit einer ganz besonderen Atmosphäre geschaffen. Man kann viel tiefer in die Gespräche eindringen, weil sie in einer sehr ruhigen Umgebung stattfinden und ohne Publikum.

Waren Sie sofort dabei, als Ihr Sohn mit der Idee kam, eine Talkshow bei Youtube zu machen? Oder mussten Sie sich in diese Welt erst mal reinfuchsen?

Beides. Ich habe mein Leben lang Menschen interviewt, das fing an bei Radio Luxemburg und der Sendung „Hier Frank – wer da?“ Die dauerte drei Stunden, und davon wurde über eine Stunde getalkt. Dass ich Gespräche führen kann, hat sich seitdem herumgesprochen, und wir dachten dann vor einiger Zeit einfach: Warum bieten wir das nicht auch bei Youtube an? Da gab es so etwas noch nicht. Mir macht es großen Spaß, und ich freue mich über die positive Resonanz. (Lacht.)

Macht es einen Unterschied, ob Sie eine Sendung fürs Fernsehen machen oder fürs Internet?

Ich versuche es mal so zu erklären: Wenn Sie mit einem netten Menschen in die Kneipe gehen und sich unterhalten wollen, und drumherum ist es sehr laut, dann werden Sie mit Sicherheit kein tiefsinniges Gespräch führen. Wenn Sie mit demselben Menschen aber auf einer Bank im Freien sitzen und nicht beobachtet werden, kann es ein tolles Gespräch geben. So mache ich es mit meiner kleinen Sendung bei Youtube.

Haben Sie mit dem klassischen Fernsehen abgeschlossen?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich bereite mich gerade auf eine neue Tierdokumentation vor. Ich fliege nächste Woche nach Südafrika und drehe einen Film mit Löwen. Im nächsten Jahr habe ich sogar eine Mutprobe zu bestehen. Ich drehe mit Gorillas – davor habe ich ein bisschen Schiss.

Nochmal zurück zu der Preisverleihung – wie haben Sie den Abend in Berlin erlebt, inmitten der ganzen Internetstars?

Mir hat das Spaß gemacht. Die Menschen haben mich furchtbar nett empfangen, was ich deswegen besonders schön fand, weil die meisten mich vermutlich gar nicht kannten. Aber es hat mich niemand spüren lassen, dass ich sozusagen der alte Mann und das Internet bin.

Hält das jung, wenn man sich viel mit jungen Menschen umgibt?

Zumindest macht es nicht älter.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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