Kürzere Wege

von Redaktion

Beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg wird heute das neue Nachrichtenhaus der „Tagesschau“ eröffnet

VON ANNA RINGLE

Wer sehen will, wo Deutschlands wohl bekannteste Nachrichtensendung entsteht, stößt erst einmal auf eine typisch deutsche Kleingartenidylle – einige Schrebergärten in Hamburg liegen in direkter Nachbarschaft zum neuen Nachrichtenhaus der „Tagesschau“. Bislang saßen die Redaktionen bei ARD aktuell getrennt voneinander – neben den „Tagesschau“-Sendungen betreuen sie unter anderem die „Tagesthemen“, den Nachrichtenkanal „Tagesschau 24“ sowie die „Tagesschau“-App. Das soll sich nun ändern – mit einem neuen Newsroom. Das Ziel? Kürzere Wege und effizienteres Arbeiten, um in „Breaking News“-Situationen schnell zu reagieren und die verschiedenen Ausspielwege für die Nachrichten der „Tagesschau“ noch besser zu verzahnen.

Das Publikum müsse verlässlich Informationen dort finden, wo es sie sucht – im linearen Fernsehen und in den digitalen Angeboten, wie der Zweite Chefredakteur von ARD aktuell, Helge Fuhst, erläutert. An diesem Donnerstag steht die Eröffnungsfeier für das Gebäude an. Das neue Nachrichtenhaus grenzt direkt an die Gebäude des Norddeutschen Rundfunks (NDR) an, im älteren Haus ist weiterhin das Studio untergebracht, in dem die „Tagesschau“ produziert wird. Am Bild der Sendung ändert sich für den Zuschauer nichts.

Das neue Gebäude ist für die Redaktion gedacht. Es ist ein heller, offener Bau geworden, mit Glas und Ausblick auf die Schrebergärten. Voraussichtlich ab Mitte November wird das Team im neuen Newsroom arbeiten, wie der Projektleiter für das Nachrichtenhaus und Chef vom Dienst bei der „Tagesschau“, Patrick Uhe, sagt.

Die „Tagesschau“ zieht um 20 Uhr nach wie vor ein Millionenpublikum vor den Fernseher – obwohl es längst möglich ist, dass man die Sendung auch zeitversetzt im Internet sehen kann. Dem NDR zufolge waren es zwischen Januar und September dieses Jahres durchschnittlich 9,68 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 35,6 Prozent). Tendenz steigend. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen sagt über diese Entwicklung: „Die ,Tagesschau‘ ist ein Orientierungsformat mit dem zentralen Versprechen, die Ereignisse der Welt in 15 Minuten zu bieten. Dieses Angebot der Komplexitätsreduktion wird beliebter – auch weil die allgemeine Verunsicherung in der digitalen Öffentlichkeit zunimmt und man im frei herumwirbelnden Informationskonfetti oft nicht weiß: Wem kann man vertrauen?“

Wie sieht die „Tagesschau“ in einigen Jahren aus? „Es ist noch nicht absehbar, dass die echten Sprecher oder Moderatoren der anderen Ausgaben bei uns durch Roboter oder Ähnliches ersetzt werden“, sagt Fuhst. Trotzdem dürfe man nicht verpassen, technisch zu experimentieren. Wird sich an der Arbeit der Reporter und Kameraleute etwas ändern – könnten Redakteure zum Beispiel eigene Handyvideos in die Sendung einbinden und das klassische Kamerateam ersetzen oder ergänzen? Uhe sieht das persönlich so: „Ja, ich kann mir das vorstellen. Weil wir –glaube ich – an den Produktionskosten von Fernsehen arbeiten müssen, die sind wirklich verdammt hoch.“ Wenn sich etwa ein Korrespondent in einem Krisengebiet befinde und der Kameramann vielleicht noch nicht da sei oder die Infrastruktur nicht gegeben sei, um etwas abzusetzen, dann könne ein Handyvideo helfen oder ein Gespräch über Skype. Innovation gehöre zum Alltag, um dem Anspruch gerecht zu werden, jede und jeden in allen Altersgruppen mit Nachrichten der „Tagesschau“ zu erreichen.

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