Mit sanfter Widerborstigkeit

von Redaktion

Trauer um die Schauspielerin Billie Zöckler, die im Alter von 70 Jahren gestorben ist

VON ZORAN GOJIC

„Edda, schreib!“ schreit der Chef seine Sekretärin an. Aber Edda schreibt erst mal nicht, sondern schaut. Schaut ihren Chef, den von Franz Xaver Kroetz so großartig gespielten Klatschreporter Baby Schimmerlos aus ihren unsagbar großen Augen fassungslos an, empört und verängstigt zugleich. Szenen wie diese aus Helmut Dietls legendärer Serie „Kir Royal“ haben Fernsehgeschichte geschrieben. Und Sibylle „Billie“ Zöckler, die diese Edda so einzigartig verkörperte, machte dieser Auftritt im Jahr 1986 über Nacht berühmt. Nun trauert „Baby“ um seine Edda, die im Alter von 70 Jahren gestorben ist.

Als „Kir Royal“ das Publikum verzauberte, war die aus dem niedersächsischen Celle stammende Schauspielerin schon 37 Jahre alt und das, was man einen alten Hasen im Geschäft nennen könnte. Zunächst hatte sie eine Ausbildung zur Cutterin durchlaufen, sicher ist sicher. Aber parallel studierte sie Schauspielerei beim Schwabinger „Prozessionstheater“ des vogelwilden Alexeij Sagerer, einem Fan des „unmittelbaren Theaters“. Wer diese Schule durchlief, hatte vor nichts mehr Angst – und anfangs hatte Zöckler nach eigenem Bekunden panische Angst auf der Bühne.

Anfang der Achtzigerjahre bekam die kleingewachsene Frau mit den Kulleraugen dann ihre ersten Fernsehrollen, unter anderem in der Komödie „Im Himmel ist die Hölle los“, wo sie Helmut Dietl auffiel, der ja bekanntlich ein Händchen hatte für die richtigen Schauspieler in den richtigen Rollen. Mit einer anderen Edda wären die Büroszenen in „Kir Royal“ nicht halb so komisch geworden, sie gab der naiven Schreibkraft eine Würde und sanfte Widerborstigkeit, die so nicht im Drehbuch stand.

Nach „Kir Royal“ lief es für Zöckler, sie wurde oft nach Typ besetzt, eine Art deutsche Ausgabe von Giulietta Masina, von deren Darstellung aus dem Filmklassiker „La Strada“ (1954) sie sich wohl ein wenig für ihre Edda hatte inspirieren lassen. Schauspielerisch war Zöckler trotzdem nicht immer voll gefordert, gleichwohl war sie gut gebucht und eine sichere Bank für Produzenten. Sie wusste, was sie zu tun hatte und was man von ihr erwartete.

Nebenher spielte sie immer Theater, dem ihre wahre Leidenschaft galt. Dort entfaltete sie diese erstaunliche Präsenz, die sie so unverwechselbar machte. Dass man sie jahrzehntelang auf die Edda ansprach, nervte sie anfangs, später war sie stolz darauf, Teil dieses Fern- sehklassikers gewesen zu sein. Sie hatte nach all den Jahren eine andere Perspektive. Wer mit „Forsthaus Falkenau“ oder „Dahoam is dahoam“ sein Geld verdiene, verstehe erst im Rückblick, was für ein Glück es war, in Meisterwerken wie „Kir Royal“ mitgespielt zu haben. Zöckler wirkte in vielen guten Filmen mit – etwa 2014 in „Landauer – Der Präsident“, der famosen Filmbiografie des legendären FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer.

Privat lief es nicht immer rund für die kleine große Schauspielerin. Nach eigener Aussage hatte sie eine Schwäche für „wilde Kerle“, aber insgesamt kein großes Glück mit den Männern. Sie lebte allein.

Nun ist Billie Zöckler nach schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren in Schwabing gestorben. Sie hätte noch ein paar wirklich große Auftritte verdient gehabt.

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