Der Lärm der Welt, das merkt man schnell, ist Michael Brandner ein Gräuel. Der 67-jährige Schauspieler erscheint zum Interview in einer Schwabinger Teestube im selbst entworfenen Anzug. Sein distinguierter Auftritt ist vom verzweifelten Gepolter der Wolfratshausener Polizistenlegende Reimund Girwidz, die er in der ARD-Serie „Hubert ohne Staller“ spielt, so weit entfernt wie dieses Bistro von einer bayerischen Boazn. Warum er dennoch eine Schwäche für den grantelnden Girwidz hat, der ab heute um 18.50 Uhr in neuen Folgen zu sehen ist, erklärt Brandner im Gespräch.
Sie waren mal eine Zeit lang beim Bundesgrenzschutz – hat das Ihr Polizistenbild geprägt?
Das Bild, das ich damals hatte, war kein gutes. Aber heute ist eine andere Zeit, mir ist sehr bewusst, wie wichtig die Autorität unserer Polizei für den Rechtsstaat ist. Polizisten sollte man mit Respekt behandeln – dafür muss insbesondere auch die Regierung sorgen, indem die Polizei vernünftig ausgestattet wird. In vielen Revieren sieht es oft wirklich so ähnlich aus wie bei „Hubert ohne Staller“.
Warum waren Sie denn zuletzt bei der Polizei?
Weil ich meinen Führerschein abgeben musste. Nicht zum ersten Mal, ehrlich gesagt. Einmal hat es mich auf einer Fahrt von Hamburg nach München sogar zweimal erwischt – also zweimal Schein weg. Bin ich nicht stolz drauf.
Der Girwidz ist ein Raser!
Nein, ehrlich nicht. Es ist nur leider so, dass ich die Vielzahl an Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen manchmal übersehe. Aber nun habe ich ein Navi, das mich akustisch auf jeden Geschwindigkeitswechsel hinweist. Ich bin ja halbwegs lernfähig.
Sie und der inzwischen zum Polizeiobermeister degradierte Girwidz – war das von Anfang an eigentlich eine Liebesbeziehung?
Ja. Das hat auch wieder mit meiner Zeit beim Bundesgrenzschutz zu tun: Was man da als Untergebener an eitlen Vorgesetzten in Offiziersuniform alles miterlebt hat, war eine wunderbare Inspiration. Girwidz ist in seiner Zerrissenheit zwischen Selbstüberschätzung und Selbsterhaltung eine perfekte Projektionsfläche für mich als Schauspieler. Dazu die permanente Verzweiflung als Chef – das ist die ideale Voraussetzung für Komik.
Girwidz hat vor einem Jahr alles verloren: seinen Dienstgrad, seine Stellung als Chef, seine Ehefrau – sogar seine Selbstachtung. Trotzdem macht er weiter.
Weil er keinen anderen Weg sieht. Der kann ja nichts. Also macht er weiter – absurderweise mit der Hoffnung, wieder an seinen alten Posten zu gelangen. Er verzweifelt jeden Tag und schläft jede Nacht mit dem gleichen Mantra ein: „Alles wird wieder gut!“ Wird es natürlich nicht – aber genau so funktioniert Komik.
Ganz ehrlich: Dachten Sie an eine Fortsetzung, als Helmfried von Lüttichau alias Staller seinen Ausstieg aus der Serie bekannt gab?
Nein, damit war das Thema für mich eigentlich erledigt. Aber dann kam die glorreiche Idee auf, eine Frau als Boss zu installieren und Girwidz künftig mit Hubert (gespielt von Christian Tramitz, d. Red.) in den Streifenwagen zu setzen. Ich glaubte daran, und die phänomenalen Quoten der ersten Staffel ohne Staller gaben uns Recht. Wir bleiben Wolfratshausen und Umgebung also erhalten.
Das Gespräch führte
Frank Rauscher.