Das Publikum kriegte sich nicht mehr ein vor Begeisterung. Die vier Coaches, die sich allesamt umgedreht hatten, standen mit Tränen in den Augen da, und Claudia Emmanuela Santoso, diese zarte junge Frau mit der Zahnspange, wusste nicht, wie ihr geschah. Ihr erster Auftritt in der Castingshow „The Voice of Germany“ rührte nicht nur alle Anwesenden im Studio, sondern Millionen Zuschauer daheim vor den Bildschirmen.
Und in Indonesien, Claudias Heimat, stehen inzwischen auch alle kopf. „Ich kann nicht glauben, was im Moment alles passiert“, erzählt die begnadete Sängerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Und das kann man ihr tatsächlich nicht verdenken. Gut ein Jahr liegt es zurück, dass die 18-Jährige aus einem kleinen Ort in Indonesien nach München zog. Ohne Eltern, ohne ihre Familie. „Deutschland ist günstiger als meine Heimat“, erzählt sie. „Vor allem, wenn es um junge Menschen geht.“ Studieren könne man in Indonesien zum Beispiel nur gegen sehr hohe Gebühren.
Weil ihre Tante und ein Onkel hier in der Stadt leben, war München die erste Wahl. „Ich hatte mich auch in Kaiserslautern und Berlin beworden, aber München hat mir am besten gefallen, natürlich“, lacht Claudia, die – bevor sie sich an der Uni für Musikwissenschaft einschreiben kann, als Nicht-EU-Bürgerin erst einmal durch das Studienkolleg durch muss. „Das macht mir Spaß“, sagt sie. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“
Freunde hat sie vor allem über die Gemeinde der Hoffnungskirche in Freimann gefunden, einige haben sie sogar nach Berlin zu den Aufzeichnungen von „The Voice of Germany“ begleitet. Ihre Eltern sind jedes Mal dabei, wenn auch nur online. „Sie verfolgen über Skype meine Auftritte und sind sehr stolz“, sagt Claudia. Am Sonntag (Sat.1, 20.15 Uhr) tritt die Kandidatin, die sich für das Team von Alice Merton entschieden hatte („Wir verstehen uns richtig gut“), in den so genannten Sing Offs gegen ihre Konkurrenten an. Danach muss Coach Alice entscheiden, mit welchen ihrer Talente sie in die Live-Shows geht.
„Ich hoffe, dass ich dabei bin“, meint Claudia, die auch im Internet einen Rekord aufgestellt hat. Fast 20 Millionen Mal wurde ihre Version von „Never enough“ geklickt. In Indonesien verehren die Medien sie seitdem als „goldene Stimme“, in ihrem Heimatort werden Public-Viewing-Events organisiert, bei denen die Fans mitten in der Nacht „The Voice of Germany“ anschauen. Claudias größter Traum ist nun, dass ihre Eltern sie einmal live auf der großen Fernsehbühne singen sehen. „Wenn ich es so weit schaffe, kommen sie vielleicht nächste Woche zum Halbfinale“, sagt sie.
Allein schon deswegen wird sie am Sonntag alles geben. Damit das Publikum wieder aus dem Häuschen ist. Damit die Coaches wieder Tränen der Rührung verdrücken. Und damit Claudia endlich ihre Eltern wieder sieht.
So geht es weiter:
An diesem Sonntag und am kommenden Donnerstag, Pro Sieben, 20.15 Uhr, finden die Sing Offs statt. Die beiden Live-Shows, das Halbfinale am 3. und das Finale am 10. November, laufen dann bei Sat.1.