Den Bayerischen Kabarettpreis bekommen auch Künstler, für die Bairisch eine echte Fremdsprache ist. Das bewiesen die Stifter, als sie im vergangenen Jahr den Ostfriesen Otto Waalkes mit dem Ehrenpreis auszeichneten. So gesehen gingen der BR und das Münchner Lustspielhaus heuer noch einen Schritt weiter. Mit dem 52-jährigen Emmanuel Peterfalvi, besser bekannt als Alfons, erhielt ein Franzose den Hauptpreis – in einem Genre, in dem es auf jedes Wort ankommt, schon per se eine Sensation.
Dass bei dieser Entscheidung jedoch mehr als eine Prise Frankophilie eine Rolle gespielt hat, unterstrich Frank-Markus Barwasser. In seiner Laudatio zeigte er die Dimension dieser Auszeichnung auf und hielt der Zunft zugleich den Spiegel vor. Alfons liebe Deutschland und seine Menschen, obwohl seine Großmutter in Auschwitz inhaftiert war (und mit Glück überlebte).
Der Blick des Franzosen auf unser Land sei „so wohltuend“ – wo hierzulande der kleinste Fehler eines Mandatsträgers auch von Satirikern gegeißelt würde, verfahre man, frei nach Peterfalvi, beim westlichen Nachbarn nach der Devise: „Wenn Du vier Politiker kaufst, bekommst Du den fünften gratis dazu!“ Der solchermaßen Geehrte unterlief listig alle etwaigen Erwartungen an große Sätze zum Frieden unter Völkern und Religionen – und schilderte per Rückblick in die Kindheit parabelhaft den praktischen Nutzen der gesammelten heiligen Schriften für die Erreichbarkeit eines Süßigkeitenautomaten.
So international der Hauptpreis, so lokal der Senkrechtstarterpreis. Christine Eixenberger (32) hatte gleich vier Laudatoren – Ministerpräsidentenparodist Wolfgang Krebs pries teils in wechselnden Identitäten die „unerschrockene Fröhlichkeit“ der Miesbacherin. Eine rein bayerische Angelegenheit war auch der Musikpreis, der an Hannes Ringlstetter (49) und Stephan Zinner (45) ging.
Mehr als das Bühnenwerk war ausschlaggebend für die Vergabe des Ehrenpreises an „Die drei Tornados“-Veteran Arnulf Rating (wir berichteten), dem Georg Schramm eine ebenso unprätentiöse wie persönliche Rede hielt. Der Schöpfer des emeritierten Moralisten Lothar Dombrowski würdigte Ratings Mut, in seinen Exkursen wie denen über den Propaganda-Theoretiker Edward Bernays auch einmal für einige Zeit auf Lacher zu verzichten, und erinnerte an die Verdienste des 68-Jährigen für die Kulturlandschaft in Berlin. RUDOLF OGIERMANN