Jeder Mensch wünscht sich Liebe und Mitgefühl. Warum aber nimmt dann der Hass in unserer Gesellschaft zu? Seit 2018 erlebt der Extremismus einen nachweisbaren Aufschwung. Rassismus, religiöser Eifer und nationalistischer Wahn sind weltweit im Vormarsch. Hollywood-Regisseur Steven Spielberg hat dieses Phänomen unter die Lupe genommen. In der von ihm produzierten Doku-Reihe „Warum wir hassen“ sucht er nach den Ursachen dieser zerstörerischen Kraft. Morgen zeigt das ZDF um 20.15 Uhr die Dokumentation von Gaeta Gandbhir und Sam Pollard über Extremismus, in der Konfliktforscherin Sasha Havlicek erklärt, wie Hass entsteht.
Die Beispiele im Film stammen fast ausschließlich aus den USA und doch sind sie auch auf Europa übertragbar, wie die Geschichte von Aussteiger Frank Meeink und seiner Radikalisierung zeigt. Seine Jugend in Philadelphia ist von häuslicher und schulischer Gewalt geprägt. Durch Zufall macht Meeink Bekanntschaft mit einer Gruppe von Neonazi-Skinheads und fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben aufgehoben.
„Wir neigen dazu, bei radikalen Gruppen nur die Gewalt zu sehen. Tatsächlich bieten sie ihren Mitgliedern emotionale Bindung, Zugehörigkeit und Geborgenheit. Und sie bieten ihnen idealistische Ziele. Etwas, das viele in ihrem Alltag nicht finden können“, sagt die Extremismus-Expertin im Film. Frank Meeink folgt den idealistischen Zielen, die ihm von Anführern der Gruppe eingetrichtert werden. Schon bald steigt er selbst in der Rangordnung auf. Hass – eine Frage von Stärke? Führerschaft und Vorgesetzte spielen eine wichtige Rolle bei der Frage, wann ein Mensch mit einem extremistischen Weltbild zur Gewalt greift. Die Vorfälle im Foltergefängnis von Abu Ghraib etwa zeigen: „Soldaten sind dazu ausgebildet, Befehle zu befolgen. Wenn sie massiv Grenzen der Menschlichkeit überschreiten, wäre es wichtig zu erfahren, wer sie dazu ermuntert hat“, erklärt Sasha Havlicek im Film. Dokumente aus dem Weißen Haus belegen, dass Foltermethoden wie Schlafentzug, Windeln, Stresspositionen und sogar Waterboarding im Kampf gegen Al Kaida von Regierungsseite geduldet wurden.
Aber wie entsteht Hass? Oft aus der Angst vor Veränderung, genährt von Selbstzweifeln oder dem Gefühl, nicht geliebt zu werden. „Dazu kommt, dass extreme Gruppen immer auf Spaltung setzen und keine Kompromisse kennen. Sie polarisieren und setzen auf eine Entmenschlichung des anderen“, sagt Havlicek. „Sobald es ein ,wir-gegen-die‘ gibt, ist es erschreckend einfach, Menschen gegeneinander aufzuhetzen.“ Ex-Skinhead Frank Meeink landete nach einem Knastaufenthalt bei einem jüdischen Antiquitätenhändler und schaffte den Ausstieg aus der Szene: „Weil da einer war, der mich respektiert hat“, sagt er. Wenn wir miteinander reden und zuhören, bröckelt das Feindbild. Ein Dialog zeigt, dass auch der vermeintliche „Gegner“ ein Mensch ist, der sich vor allem Liebe und Verständnis wünscht.