„Ich suche die Herausforderung“

von Redaktion

Nadine Angerer über „Dancing on Ice“, Ehrgeiz und ihre Karriere als Fußballspielerin

Auf dem grünen Rasen war sie einsame Klasse. Über viele Jahre hat Nadine Angerer das Tor der deutschen Frauennationalmannschaft sauber gehalten und mit dem Team nicht weniger als fünfmal den Europa-  und zweimal den Weltmeistertitel geholt. Im Jahr 2013 wurde die inzwischen 41-Jährige, die aus dem unterfränkischen Lohr am Main stammt, zur Weltfußballerin des Jahres gekürt, Vor vier Jahren beendete sie ihre Karriere und lebt seitdem in den USA. Nun traut sich „Natze“ aufs glatte Eis – in der Sat.1-Show „Dancing on Ice“, die heute startet, ist sie als eine von zehn Kandidaten dabei. Sieben Folgen stehen auf dem Programm, das Finale läuft am Freitag, 20. Dezember.

„Dancing on Ice“ heißt die Show. Wovor haben Sie mehr Respekt – vorm Tanzen oder vorm Eis?

Ich habe Respekt vorm Tanzen und vorm Eis. Wobei ich sagen muss: Das Tanzen macht mir inzwischen schon richtig Spaß.

Sie gehören zu den Kandidaten, die noch keine Schlagzeilen über Knochenbrüche und sonstige Verletzungen gemacht haben.

Ja, wobei es nicht so ist, dass ich nicht auch schon ordentlich gefallen wäre. Das passiert hin und wieder.

Hilft Ihnen Ihre Erfahrung als Leistungssportlerin in der Show?

Sollte man meinen. Alle sagen immer: „Du bist doch Sportlerin, du kriegst das schon hin.“ Und wenn mein Tanzpartner sagt: „Spann’ mal den oder den Muskel an“, dann weiß ich natürlich, was er meint. Aber sonst? Ganz ehrlich – habe ich jemals auf dem Eis gestanden? Nein! Habe ich jemals getanzt? Nein! War ich koordinativ jemals ein Wunder? Nein! Habe ich Rhythmusgefühl? Nein! Kurzum: Mir hilft aus meinem bisherigen Leben überhaupt nichts weiter.

Was genau reizt Sie, an der Show mitzumachen?

Das ist die spannende Frage (Lacht.) Als die erste Anfrage kam, habe ich gedacht: Eistanzen? Was soll das denn? Aber dann habe ich relativ schnell zugesagt. Ich suche in meinem Leben immer die Herausforderung. Auf Eistanzen wäre ich selbst zwar nie gekommen, aber es ist perfekt für mich. Es bedeutet nämlich: Raus aus der Komfortzone – und das mag ich.

Sie trainieren seit etwa zwei Monaten. Bereuen Sie es manchmal, die Herausforderung angenommen zu haben?

Ganz im Gegenteil. Ich entwickele einen regelrechten Ehrgeiz und gehe manchmal richtig schlecht gelaunt nach Hause, wenn das Training nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich weiß auch, dass ich nie eine Gazelle auf dem Eis sein werde. Aber ich freue mich über kleine Fortschritte. Wenn ich an einem Tag eine Pirouette mehr drehe als am Tag zuvor, dann ist das ein schöner Erfolg für mich, und ich kann mich darüber freuen. Dann geh’ ich am Abend zufrieden ins Bett.

Geht Ihr Ehrgeiz so weit, dass Sie gewinnen und den Pokal mit heimnehmen möchten? Oder denken Sie: Dabei sein ist alles?

Pokal ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Ich möchte sagen können, dass ich gut war. Ich möchte von mir selbst nicht enttäuscht sein.

Haben Sie eine Idee, wer Ihr größter Konkurrent in der Show sein wird?

Nicht im Geringsten. Ich wohne inzwischen in Amerika und habe dort auch trainiert und von meinen Kollegen entsprechend wenig mitbekommen. Ich habe keine Vorstellung davon, wer wie gut oder wie schlecht ist. Mir wurde zugeflüstert, dass Eric Stehfest unfassbar gut fahren soll. Aber ich habe ihn selbst noch nicht gesehen.

Blicken wir zum Schluss noch einmal auf Ihre Zeit als aktive Leistungssportlerin. Sie haben als Fußballspielerin beziehungsweise Torfrau alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Vermissen Sie die Zeit, als Sie noch für die Nationalmannschaft im Tor standen?

Nein. Ich habe das Profi-Dasein total genossen. Aber ich bin zu einem Zeitpunkt in meiner Karriere gegangen, den ich selbst bestimmt habe. Ich habe die Entscheidung seitdem keinen Tag bereut. Das einzige, was ich vermisse, ist das Training. Aber ich arbeite mittlerweile ja selbst als Trainerin und kann zwischendurch zu meinem Torhüterinnen sagen: Jetzt schießt mir mal ein paar Bälle zu. Und ab und zu springe ich auch noch ein. Aber den Druck und die Aufregung vermisse ich nicht.

Beides kriegen Sie nun bei „Dancing on Ice“.

Ja, genau. Wir schauen mal, wie das alles wird.

Nächste Station könnte dann ja „Let’s Dance“ sein – das Tanzen auf „richtigem“ Parkett.

Ja, wer weiß. Vielleicht brauche ich nach „Dancing on Ice“ tatsächlich die nächste Herausforderung. Aber langsam – eins nach dem anderen.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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