Das hat sie sich verdient! Zum 30. Dienstjubiläum darf „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal ein Stück persönliche Vergangenheit aufarbeiten. Schauspielerin Ulrike Folkerts, seit nunmehr 70 Episoden im Amt, kehrt an einen 28 Jahre alten Tatort zurück und begegnet erneut ihrer Jugendliebe (damals wie heute: Ben Becker).
„Die Pfalz von oben“, zu sehen an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten, knüpft an einen Krimi an, der 1991 für reichlich Furore sorgte. Stinksauer waren sie damals, die Pfälzer. Der Fall „Tod im Häcksler“ zeigte die Bewohner eines dünn besiedelten Landstrichs als geldgierigen Mob von Dorfbewohnern, der einen Spätaussiedler in den Tod treibt. Als „Pfälzisch-Sibirien“ wurde der fiktive Ort Zarten im Film bezeichnet.
Die Einheimischen protestierten, fühlten sich verunglimpft, und sogar die Politik mischte sich in die hitzige Diskussion ein. Schließlich willigte Ulrike Folkerts ein, mit dem damaligen rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) eine Wanderung zu unternehmen, um sich von der Schönheit der Region zu überzeugen. „In der Pfalz sind wir immer noch auf Bewährung“, sagt die 58-Jährige, die heute mit einem Schmunzeln auf den Wirbel zurückblickt.
Charmant ist die Idee, zum Jubiläum in die Nostalgiekiste zu greifen und dabei doch einen ganz neuen Krimi zu erzählen, der, wie schon „Tod im Häcksler“, von Stefan Dähnert geschrieben wurde. Der einstige Dorfpolizist Stefan Tries (Ben Becker) ist zum desillusionierten Dienststellenleiter avanciert. Als ein junger Beamter aus seinem Revier bei einer Verkehrskontrolle erschossen wird, rückt – zusammen mit ihrer Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) – Kommissarin Lena Odenthal aus Ludwigshafen an. Die Ermittlerin hat einen Tipp bekommen, dass die saubere Kriminalstatistik der Pfälzer Kollegen der Vertuschung schmutziger Geschäfte zu verdanken ist. Doch auf welcher Seite steht Stefan, Lenas einstiger Geliebter?
„Die Pfalz von oben“ spielt geschickt mit der „Was-wäre-aus-uns-geworden?“-Idee. Ein Film übers Altern in der Provinz, über Werte, die dem Alltag geopfert wurden, und verlorene Träume. Dabei zeigt Regisseurin Brigitte Maria Bertele Landschaften und Liebesszenen von fast poetischer Schönheit, die die Dorfbewohner in der Region versöhnen dürften.
Die alte „Tatort“-Folge
mit dem Titel „Tod im Häcksler“ von 1991 und die Doku „Die Geschichte des Häckslers“ sind in der ARD-Mediathek abrufbar.