„Ich hole nach, was ich verpasst habe“

von Redaktion

Johannes B. Kerner über seine neuen ZDF-Shows und warum er es nicht bereut hat, kürzer zu treten

Vorbei sind die Zeiten, als Johannes B. Kerner quasi im Alleingang mit Talks und Shows das (ZDF-)Abendprogramm stemmte. Der 54-Jährige hat in den vergangenen Jahren sein Arbeitspensum arg reduziert – und ist damit mehr als glücklich. In den kommenden Wochen stehen aber doch nochmal Kerner-Festspiele im ZDF an. Gleich fünf Sendungen präsentiert der Hamburger. Los geht’s am morgigen Mittwoch um 20.15 Uhr mit „Unsere Schätze – Die große ,Terra X‘-Show“.

Man fühlt sich fast in die Zeiten versetzt, als Sie beinahe täglich zu sehen waren. Geht’s Ihnen auch so?

Es ist viel, das stimmt. Aber damals war es noch viel mehr. Inzwischen mache ich etwa 20 Sendungen pro Jahr. Das sind ausschließlich große Produktionen, die viel Vorbereitung mit sich bringen. Das ist natürlich aufwendiger und etwas anderes, als wenn man eine tägliche Talkshow macht. Aber insgesamt ist es weniger als früher – worüber ich sehr froh bin.

Die einzige neue Produktion ist die „Terra X“-Show.

Ja, und es ist fantastisch, dass das ZDF aus dieser großen Marke nun eine Show macht. Wir präsentieren zehn Schätze aus unserer Geschichte. Das reicht von einer römischen Rittermaske, die in den Neunzigern im Osnabrücker Land gefunden wurde und anhand derer man belegen kann, wie die Varusschlacht verlaufen ist, bis zu Beethovens Neunter oder dem Reinheitsgebot für Bier. Und um diese Schätze herum machen wir mit Gästen wie Axel Milberg und anderen kleine Spielchen.

Sind Sie fit in Geschichte?

Wollen Sie mich testen?

Nee, ich erwarte eine ehrliche Antwort.

Dann sag ich Ja. (Lacht.) Ich glaube tatsächlich, dass ich einigermaßen fit bin.

Glauben Sie eigentlich, dass die vielen Quizsendungen im Fernsehen die Zuschauer und vielleicht auch die Moderatoren schlauer machen?

Ich gehe aus jeder Sendung schlauer raus, als ich reingegangen bin. Manches vergesse ich natürlich wieder, aber was fast spannender ist: Man lernt viel über Menschen.

Was zum Beispiel?

Man lernt vor allem, was Gewinnen und Verlieren mit Menschen macht. Manche kommen mega selbstsicher auf die Bühne und sind dann total geknickt, wenn sie nicht gewonnen haben. Manche sind auch extrem enttäuscht von sich selbst. Andere gehen völlig gelassen mit einer Niederlage um und nehmen sich am Ende noch die Zeit, um sich beim Publikum, bei den Experten und manchmal auch bei mir zu verabschieden. Da lernt man schon was.

Auch für sich selbst?

Ja, schon ein bisschen. Aber jetzt auch nicht in dem Maße, wie ich zum Beispiel auf Reisen gelernt habe. Dafür hatte ich früher schlicht nicht die Zeit.

Vermissen Sie denn auch etwas aus der Zeit, in der Sie gefühlt täglich auf Sendung waren?

Nein, wirklich nicht. Ich möchte heute keine tägliche Talkshow mehr moderieren. Ich genieße die Zeit, die ich habe, und hole jetzt gerade nach, was ich damals verpasst habe. Ich habe von 1992 bis 2009 im Grunde ja durchgearbeitet.

Und was ist mit Sport im Fernsehen? Sie machen eine Talkshow bei Magenta TV, das zur Telekom gehört, die wiederum die Rechte an der EM 2024 erworben hat. Erleben wir Sie da wieder als Länderspielkommentator?

Das ist ja noch ein bisschen hin. (Lacht.)

Würden Sie denn gerne?

Ich bin im Herzen Sportreporter und würde nie „nie“ sagen. Ich habe das alles erlebt und die beste Zeit als Sportmoderator gehabt, damals mit Jürgen Klopp und Urs Meier an meiner Seite. Das war wirklich das Schönste, was mir beruflich widerfahren ist, dafür werde ich ewig dankbar sein.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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