Nagende Schuldgefühle

von Redaktion

Das ZDF zeigt „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“ über fatale Entscheidungen

VON ELENA SIEGL

Wer ist schuld? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch den ZDF-Film „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“, zu sehen am Montag, 2. Dezember, um 20.15 Uhr. Schicksalhaft greifen die Ereignisse darin ineinander: Wie aus dem Nichts torkelt der 17-jährige Finn (Jeremias Meyer), der von seinem Bruder Mike in der Disco zurückgelassen wurde, nachts auf die Straße. Und wird von einem Richter angefahren. Scheinbar unverletzt lassen er und seine Frau Sylvie, aus Angst vor Konsequenzen, den Jungen an der nächsten Bushaltestelle zurück. Doch Finn hat innere Verletzungen und stirbt.

Vor allem Sylvie und Mike, mit Laura de Boer und Anton Spieker stimmig besetzt, leiden unter der Situation. Ihre schmerzerfüllten Gesichter werden immer wieder in Nahaufnahmen eingefangen. Am Grab treffen sie aufeinander. Mike ahnt, dass Sylvie weiß, wer seinen Bruder angefahren hat und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihr. Ob Gefühle oder eher Kalkül dafür ausschlaggebend sind, bleibt offen.

Alles wirkt kühl in diesem Drama. Die karge, von Frost überzogene Landschaft spiegelt das Innenleben der Figuren wider. Jeder fühlt sich mehr oder weniger berechtigt mitschuldig an Finns Tod, streitet es ab und sucht gleichzeitig die Verantwortung bei anderen. Der Hang, einen Schuldigen zu suchen, macht auch vor dem Zuschauer nicht halt.

Die Figuren schreien, schlagen um sich – doch wenn sie gefragt werden, wen sie verantwortlich machen, bleiben sie still. Es gibt keine Antworten auf die bedrückenden Gedanken, mit denen sich alle Beteiligten auseinandersetzen müssen. Ruhig und dennoch packend erzählt Regisseur Johannes Fabrick die komplexe Geschichte von Trauer, Schuld, Verzweiflung und Hoffnung.

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