Ein Leben wie im Märchen

von Redaktion

PORTRÄT Cornelia Froboess über leichte Filmstoffe und warum sie sehr entspannt auf ihre Karriere zurückblickt

VON RUDOLF OGIERMANN

Mit Märchen aufgewachsen ist Cornelia Froboess nicht. „Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, außerdem habe ich ja als Kind schon gesungen und Texte lernen müssen – ich habe mich mit anderen Dingen beschäftigt.“ Die „Wissenslücke“ von damals ist längst gefüllt, ihren eigenen Kindern und Enkeln hat die Schauspielerin – wie wohl die meisten Mütter – Märchen vorgelesen. Am Sonntag ist sie nun selbst in einer Märchenverfilmung zu sehen – in „Frau Holles Garten“ (ZDF, 20.15 Uhr) spielt sie die Titelrolle. Natürlich handelt es sich nicht um die Originalversion des Stoffes der Brüder Grimm, sondern um eine sehr freie Nacherzählung.

Dass Autorin Sarah Esser und Regisseurin Seyhan Derin diese Geschichte in kräftigen Farben malen, ist für Froboess kein Problem, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung betont: „Ein bisschen Klischee ist schon wichtig in diesem Fall.“ Der 76-Jährigen gefällt auch ihre eigene Rolle gut: „Ich finde es schön, dass diese Frau Holle ein Geheimnis hat, nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint.“

Der Münchner Theaterstar („Lulu“, „Faust“, „Das Käthchen von Heilbronn“) mit unüberhörbar Berliner Wurzeln hat keine Berührungsängste, was leichte Stoffe angeht. Entscheidend für das Ja zur Mitwirkung an einem Filmprojekt sei das Ensemble, sagt sie: „Und dass ich nicht zu früh aufstehen muss!“

Pragmatismus einer außergewöhnlich erfolgreichen Frau, die sehr abgeklärt auf ihre Karriere zurückblickt. Kinderstar („Pack die Badehose ein“), Idol der jungen Generation („Conny und Peter machen Musik“), dann Charakterdarstellerin – „man wächst da hinein, man reift. Ich denke überhaupt nicht darüber nach, was ich vielleicht besser anders gemacht hätte. Ich hatte das große Glück, dass man mir viel zugetraut hat.“

Doch nun kenne sie ihre Grenzen, sagt Froboess, die mit ihrem Mann, dem langjährigen Theater- und Opernintendanten Hellmuth Matiasek, in einem kleinen Ort im Chiemgau lebt. „Ich würde kein Stück mehr machen, in dem ich allein auf der Bühne stehe“, winkt sie ab. „Stundenlange Monologe? Nee!“

Weswegen sie auch der Idee, dem Publikum zuliebe noch mal die alten Schlager zu singen, sehr distanziert gegenübersteht. Wenn sie Peter Kraus („Mein bester Freund!“) in seiner Show auf die Bühne holen würde, „dann könnte ich schon gar nicht mehr die Texte!“ Und nicht nur das. „Ich bin jetzt in einem Alter, in dem Frauen von der Leiter fallen“, spielt die Schauspielerin auf einen länger zurückliegenden Sturz bei der Gartenarbeit an. Doch auch hier keine Spur von Selbstmitleid, trotz Oberschenkelhalsbruch: „Ich sollte nach der OP eigentlich Physiotherapie machen. Genau zwei Wochen habe ich das durchgehalten, dann dachte ich: Mein Mann ist allein zu Hause, ich muss heim!“

Sich zur Ruhe zu setzen kommt trotzdem nicht in Frage. Und so spielt die Froboess nach ungezählten Auftritten als Eliza in „My fair Lady“ am Gärtnerplatztheater jetzt „die Mutter vom Higgins“, wie sie es formuliert. Und nun eben „Frau Holles Garten“, dieses Märchen für die ganze Familie. „Die Zuschauer wollen sich doch auch mal ausruhen von Mord und Totschlag. Dabei ist es ja gar nicht mehr möglich, im Krimi die ,Tagesschau‘ zu toppen.“

Und noch etwas gefalle ihr nicht, sagt die Schauspielerin: „Es werden keine Geschichten mehr erzählt, es kommen keine Charaktere mehr vor, mit denen die Leute sich identifizieren können.“ Solche Fernsehspiele fehlten ihr. Dann doch lieber ein märchenhafter Film, in dem am Ende das Gute siegt: „Ich glaube, dass viele das Bedürfnis haben, so etwas zu sehen, bei allem, was um uns herum sonst so passiert.“

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