„Ein guter Vater wächst mit den Kindern“

von Redaktion

Schauspieler Oliver Mommsen über „Der beste Papa der Welt“, seine Familie und sein Leben nach dem „Tatort“

Der „Tatort“ machte ihn einem großen Publikum bekannt. Seit 2001 spielte Oliver Mommsen als Nils Stedefreund an der Seite von Sabine Postel einen Ermittler in Bremen. Am 22. April dieses Jahres war Schluss, nun konzentriert sich der 50-Jährige auf andere Projekte. So wie die Tragikomödie „Der beste Papa der Welt“, die das Erste morgen um 20.15 Uhr zeigt. Mommsen spielt einen Mediziner, der nach dem Unfalltod seiner Schwester Doro deren drei Kinder bei sich aufnimmt, obwohl sich der selbst kinderlose Arzt doch einen Traum erfüllen und die Welt umsegeln wollte.

Haben Sie die Entscheidung, mit dem „Tatort“ Schluss zu machen,bereut?

Die große Zeit des Haderns habe ich hinter mir. Beim „Tatort“ sind wir ja wie in der Modebranche immer unserer Zeit voraus. Die Entscheidung wurde vor zwei Jahren getroffen, aber erst Ostern ist Kommissar Stedefreund erschossen worden. Dazwischen habe ich mir zwar oft gesagt: Bist du bescheuert? Ruf an und sag, dass du doch weitermachst. Aber das ist vorbei, zurzeit fühle ich mich wie im Traum, ich habe eines meiner buntesten Arbeitsjahre hinter mir.

Ihr neuer Film heißt „Der beste Papa der Welt“. Was macht einen guten Vater Ihrer Ansicht nach aus?

Der beste Papa macht selber auch mal Fehler, er betrachtet seine Kinder nicht als seinen Besitz, sondern wächst mit ihnen. Ich habe es ja mit meinen Kindern erlebt. Als Vater war ich, als die beiden klitzeklein waren, fürs Windelwechseln zuständig. Inzwischen sind sie Teenager, und es findet ein Austausch statt. Mein Sohn gibt mir Filmtipps, meine Tochter geht auf Demos und ist nicht so wahnsinnig glücklich mit dem, was wir Erwachsenen hinterlassen werden.

Liest Sie Ihnen die Leviten, was Klimawandel und Umweltverschmutzung angeht?

Sie kreidet uns gar nicht an, dass wir die Umwelt schlecht behandeln, das tun wir auch gar nicht. Aber meine Tochter sagt: „Warum hinterlasst ihr Erwachsenen uns eine Welt voller Hass und voller Krieg? Was will man da sagen?

Wie haben Sie Familie und Karriere unter einen Hut gekriegt, als die Kinder kleiner waren?

Wir haben uns damals entschieden, das alte Modell zu wählen. Meine Frau Nikola hat zurückgesteckt, während ich Karriere gemacht habe. Sie hat zwar auch immer gearbeitet, aber meine Karriere stand im Vordergrund. Das kann ich niemandem empfehlen, denn die Gesellschaft dankt es den Frauen nicht. Man könnte glatt denken, dass wir immer noch im Mittelalter leben. Ich kann jedem Paar zwei Dinge dringend raten. Erstens: Getrennte Schlafzimmer, denn man muss sich das Geschnarche des Partners nicht anhören. Und zweitens: Bitte gebt eure jeweiligen Jobs auf keinen Fall auf!

Sie selber haben Ihren Vater früh verloren, da waren Sie erst 17 Jahre alt…

Ich war zweieinhalb, als meine Eltern sich getrennt haben, aufgewachsen bin ich mit meinem Stiefvater.

Sie waren dann im Internat, zuerst in Salem am Bodensee, dann in Louisenlund in Schleswig-Holstein. Klingt ziemlich exklusiv…

Es war wirklich furchtbar teuer, aber wir waren keine Snobs, sondern eine tolle Gemeinschaft. In Salem war ich nicht sehr lange, weil ich das Regelwerk verletzt habe, deshalb bin ich da relativ schnell rausgeflogen. Aber ich habe dort meine ersten Bühnenerfahrungen gemacht, ich durfte Peter Pan spielen. Damals ist das Feuer in mir angezündet worden, deshalb werde ich das nie vergessen.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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