Kein Internet, keine Königsklasse – die Fußballspiele in der Champions League sind ab der Saison 2021/22 live nur noch bei den Streaminganbietern DAZN und Amazon Prime zu sehen, der Pay-TV-Sender Sky hat das Wettbieten mit den finanzstarken Konkurrenten verloren und schaut ohne das Premiumprodukt einer ungewissen Zukunft entgegen. Das ZDF darf zumindest die Endspiele übertragen und vermutlich jeweils am Mittwoch Zusammenfassungen anbieten.
„Im gerade abgeschlossenen Ausschreibungsverfahren konnten wir uns nach rund 20 Jahren der Partnerschaft mit der Uefa nicht über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen“, sagte Sky-Chef Carsten Schmidt der „Bild“-Zeitung, Mit Blick auf die Bundesligarechte von 2021 bis 2024, die im kommenden Jahr vergeben werden, steht der Pay-TV-Sender aus Unterföhring (Landkreis München) nun gehörig unter Druck. Denn dass DAZN, Amazon, die Telekom und andere Streaminganbieter auch hier kräftig mitbieten, steht außer Frage.
Schmidt deutete an, dass die Angebote der Konkurrenz für die Champions League-Rechte (2021 bis 2024) unmoralisch hoch gewesen seien. Man habe eine „ökonomisch klare und verantwortungsbewusste Sicht auf den Wert von Sportrechten“, sagte der Sky-Chef, daher sei man „auch im Sinne unserer Kunden“ nicht bereit gewesen, „über den hohen Wert, den wir diesem Recht beimessen, hinauszugehen“.
DAZN und Amazon aber offenbar schon, vor allem DAZN dürfte sich sein Rechtepaket einiges kosten lassen. Der Live-Streamingdienst bietet alle Partien als Einzelspiel und in der Konferenz an – nur das frei wählbare Topspiel am Dienstag wird bei Amazon zu sehen sein. Der Internetriese, dessen Einstieg schon am Dienstag publik geworden war, ist der neue „Big Player“ und pumpt noch mehr Millionen in den heiß umkämpften Sportrechtemarkt.
Die Clubs freut es. Bayerns Aufsichtsratschef Uli Hoeneß hatte schon vor einigen Monaten prophezeit: „Da spielt eine halbe Milliarde, eine Milliarde keine Rolle. Dann könnten wir Dimensionen erreichen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.“
Für die Fans bedeutet die neue Situation aber noch mehr Unübersichtlichkeit im Fernsehdschungel. Um aus allen Spielen in der Königsklasse auszuwählen, braucht der Fan ein Abo von DAZN (11,99 Euro im Monat oder 119,99 Euro pro Jahr) und Amazon (7,99 Euro im Monat, als Amazon-Prime-Kunde 69 Euro pro Jahr) – und vor allem ein schnelles Internet. Und wer sich die Spiele nicht auf einem Tablet oder Computer anschauen möchte, benötigt auch einen Fernseher mit entsprechenden Applikationen und einer Internetverbindung. Der Trend zum Streaming ist scheinbar unaufhaltsam, zuvor hatte sich schon die Telekom die Rechte an der EM 2024 gesichert.
Sky scheint immer mehr ins Hintertreffen zu geraten. Zwar hält der Pay-TV-Sender noch anderthalb Jahre die Hauptrechte an der Bundesliga und an der Champions League, doch der Verlust der Königsklasse ab 2021 ist schmerzvoll. Seit der Saison 2000 übertrug Sky als Nachfolger von Premiere die Königsklasse und konnte nicht zuletzt dadurch die Zahl seiner Abonnenten erhöhen. Fans, die für Champions-League-Livespiele nicht extra bezahlen wollen, müssen sich bis zum Endspiel gedulden. Das ZDF wird die Finals 2022, 2023 und 2024 übertragen, außerdem befindet sich der öffentlich-rechtliche Sender in aussichtsreichen Verhandlungen über eine wöchentliche Zusammenfassung der Spiele am Mittwochabend.