„Unsere Programme sind ihr Geld wert“

von Redaktion

Der scheidende ARD-Chef Ulrich Wilhelm im Interview über das Digitalangebot und den Rundfunkbeitrag

Alle zwei Jahre wechselt der ARD-Vorsitz unter den neun Landesrundfunkanstalten. Zum Jahresende übergibt der Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR), Ulrich Wilhelm, den Vorsitz an den Chef des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Tom Buhrow. Eine Bilanz.

Wenn Sie auf Ihre Zeit als ARD-Vorsitzender zurückblicken – was lief positiv?

Wir haben im Digitalen einen entscheidenden Durchbruch erzielt. So wird es ab Januar eine gemeinsame Programmplanung für das Erste und die ARD-Mediathek aus einer Hand geben. Dank dieser Neuaufstellung werden unsere Mediathek und andere digitale Gemeinschaftsangebote wie die Audiothek, die „Tagesschau“, die „Sportschau“ und das Angebot für Kinder in den nächsten Jahren deutlich stärker werden und den Nutzern mehr bieten können.

Die KEF, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, hat eine Steigerung des Rundfunkbeitrags von monatlich 17,50 Euro auf 18,36 Euro vorgeschlagen. Sie haben von einem weiteren Sparkurs gesprochen…

Wir begrüßen, dass die KEF in ihrem Entwurf für die Jahre 2021 bis 2024 erstmals nach dann zwölf Jahren wieder eine moderate Beitragserhöhung empfiehlt. Doch auch dies würde die Inflation nicht ausgleichen. Das bedeutet, dass wir unseren Sparkurs fortsetzen müssen, wohl auch um Programmkürzungen nicht herumkommen. Und wir müssen weiterhin jedes Jahr Personal abbauen. So wird es kaum möglich sein, mehr junge Menschen mit neuen Berufsbildern einzustellen, was gerade im Digitalen ein Handicap ist. Und was für die ARD besonders schwierig wird: Der KEF-Bericht schlägt eine Umverteilung von Finanzmitteln zu ZDF und Deutschlandradio vor, die in diesen vier Jahren finanziell besser ausgestattet werden als die ARD. Der prozentuale Anteil des Senderverbundes wird sinken. Eine Folge wird sein, dass die regionalen Inhalte der föderalen ARD stärker unter Druck stehen werden.

Was haben Sie der KEF bei der Anhörung in dieser Woche dazu gesagt?

Wir haben es, bei allem gebotenen Respekt, als nicht plausibel bezeichnet, dass wir als ARD eine im Verhältnis zum ZDF und Deutschlandradio deutlich geringere Beitragsanpassung erhalten. Und das, obwohl wir den gleichen Kostensteigerungen auf dem Markt ausgesetzt sind und gerade in den Dritten Programmen und im regionalen Hörfunk personalintensiv arbeiten müssen. Für das Publikum ist es wichtig, dass wir unsere regionalen Angebote aufrechterhalten oder gar stärken. Diese KEF-Empfehlung macht uns das schwer.

Sie sagen, dass die ARD in Zukunft viel zu wenige junge Menschen wird einstellen können.

Die KEF gibt vor, dass wir jedes Jahr unter dem Strich Personal abbauen. Wir sollen schrumpfen. Umso wichtiger ist es, in die Qualifizierung unserer Mitarbeitenden zu investieren. Das Publikum verlangt innovative digitale Inhalte.

Glauben Sie, dass die Nutzer das verstehen, wenn der Rundfunkbeitrag 2021 steigt?

Die umfassenden Programmangebote der ARD – in Radio, Fernsehen und online – sind für eine sehr große Mehrheit der Menschen ihr Geld wert. Das zeigen repräsentative Umfragen seit Jahren. Deshalb vertraue ich darauf, dass nach dann zwölf Jahren ohne Erhöhung und mit einer Absenkung nun eine moderate Beitragssteigerung auf Akzeptanz trifft. Und bei denen, die protestieren, liegt es häufiger an inhaltlichen Vorbehalten, bei manchen sicher auch daran, dass ihr Weltbild nicht in dem Maße transportiert wird, wie sie sich das wünschen. Dann geht es nicht primär ums Geld, sondern sie sagen: „Ihr müsst unsere Weltsicht prominent platzieren, und wenn das nicht passiert, dann wollen wir mit euch nichts zu tun haben.“

Das Gespräch führten Anna Ringle und Roland Freund

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