„Natürlich hatte ich Respekt“

von Redaktion

Sängerin Vanessa Mai über ihr Debüt als Schauspielerin an der Seite von Axel Prahl und die Schlagerbranche

Wenn Helene Fischer die Schlagerkönigin ist, dann ist Vanessa Mai mindestens mal Prinzessin. Jedenfalls gehört die 27-Jährige zu den erfolgreichsten Sängerinnen in Deutschland. Nun gibt sie ihr Debüt als Schauspielerin. In „Nur mit Dir zusammen“ spielt sie an der Seite von Axel Prahl (er gibt ihren Vater) eine Sängerin, die auf dem Weg nach oben ist, als ihr Leben eine neue Wendung nimmt. Ausgestrahlt wird der Film am Samstag um 20.15 Uhr im Ersten. Wie es zu diesem Projekt kam und warum sie extra keinen Schauspielunterricht genommen hat, erzählt Vanessa Mai im Interview.

Ich gebe zu, ich war skeptisch, als ich hörte: Vanessa Mai gibt ihr Filmdebüt. Mein erster Gedanke: Muss das sein? Warum bleibt sie nicht bei dem, was sie kann, nämlich singen?! Dann hab ich den Film gesehen und war sehr positiv überrascht. Sie machen das richtig gut.

Vielen Dank. Ich kann das verstehen mit Ihrer Skepsis. Ich glaube, das ging vielen so. Umso mehr freue ich mich über das Kompliment.

Wie kam es zu dem Projekt?

Die Produktionsfirma des Films ist auf mich zugekommen. Ich hatte bis dahin nie den Wunsch geäußert, die Schauspielerei auszuprobieren. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen. (Lacht.) Aber als dann dieses tolle Drehbuch kam und ich hörte, dass Axel Prahl meinen Vater spielen soll, da war ich sofort begeistert.

Hatten Sie keine Angst, dass es schiefgehen könnte?

Doch, natürlich hatte ich Respekt. Der Film war ja auch ein Risiko – nicht nur für mich, sondern für alle Beteiligten, die sich darauf eingelassen haben. Aber am Ende hat das Gefühl überwogen: Diese Chance muss ich nutzen! Und als Axel Prahl nach den ersten Proben zu mir gesagt hat „Du machst das wirklich gut“, da hat mich das bestätigt.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Es war der Wunsch aller Beteiligten, dass ich lieber keinen Schauspielunterricht nehme.

Keinen? Wieso das?

Ich sollte mir meine Natürlichkeit bewahren. Die Erfahrung zeigt wohl auch, so wurde es mir gesagt, dass man mit einem Schnellschuss beim Unterricht viel kaputtmachen kann. Dem Rat bin ich gefolgt. (Lacht.) Und die Zeit für eine richtige, intensive Schauspielausbildung gab es ja nicht. Irgendwann habe ich dann den Kopf ausgeschaltet und einfach gemacht. Ich bin aber generell so, dass ich gerne raus aus meiner Komfortzone gehe und mich etwas traue. Das war bei anderen Projekten auch so.

Sie meinen Projekte wie Ihren Job als Jurorin bei „DSDS“ oder die Teilnahme bei „Let’s Dance“?

Ja, genau. Davor hatte ich auch jedes Mal Respekt, manchmal sogar Angst. Aber man kann bei so was nur gewinnen, weil man neue Erfahrungen sammelt.

Sie spielen in dem Film eine Sängerin, die alles tut, damit ihr Traum, eine erfolgreiche Künstlerin zu werden, wahr wird. Wie viel Autobiografisches steckt denn in dieser Geschichte?

Gar nichts.

Gar nichts?

Natürlich konnte ich mich in bestimmte Situationen reinversetzen. Dass Juli, so heißt meine Figur, alles gibt für ihre Karriere zum Beispiel. Andererseits kenne ich das schlechte Verhältnis von Juli zu ihrem Vater überhaupt nicht aus meinem Leben. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Vater.

Der Film thematisiert den Umstand, wie junge Sängerinnen gefangen sein können in einer Branche, die sehr stark auf den schönen Schein setzt. Dieses Gefühl kennen Sie gar nicht?

So, wie es im Film dargestellt ist, kenne ich es tatsächlich nicht. Vielleicht gibt es so etwas, aber ich habe es zum Glück nie erleben müssen. Ich würde auch nie eine Beziehung für die Öffentlichkeit und die Fans aufrecht erhalten, die in Wahrheit gescheitert ist.

Dennoch haben Sie im vergangenen Jahr einiges in Ihrem Leben verändert. „Falsche Freunde vergessen, Ballast abgeworfen, Ketten gesprengt, Grenzen verworfen“, heißt es in der Ankündigung zu Ihrem neuen Album. Das klingt nicht danach, als wäre alles prima gewesen. Sie hatten auch einen Unfall, der Sie zu einer Pause von der Bühne gezwungen hat.

Das vergangene Jahr war sicher nicht einfach, das stimmt. Aber das habe ich hinter mir gelassen. Ich bin jetzt glücklicher, mache meine Musik für die Fans und für mich und nicht für irgendwelche Besserwisser aus der Branche. Ich werde bei meiner Tour im Herbst auch nicht in den riesigen Arenen spielen, sondern in München zum Beispiel im Circus Krone, den ich sehr liebe. Ich will meinen Fans wieder näher sein. Das spiegelt das neue Album wider. Ich habe mich auf das Wesentliche konzentriert. Und das fühlt sich gut an.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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