Die Gauner aus der Hochfinanz sind zurück. Und sie kämpfen härter und skrupelloser denn je. Ab morgen startet die zweite Staffel der vielfach ausgezeichneten Serie „Bad Banks“ bei Arte; das ZDF folgt mit der Ausstrahlung am Wochenende. Ob der Intrigantenstadl um Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer) die hohen Erwartungen an die Reihe erfüllen kann? Wir haben uns die Fortsetzung aus der Frankfurter Finanzwelt angeschaut.
Ein kurzer Blick zurück: 2018 lieferten Regisseur Christian Schwochow und Drehbuchautor Oliver Kienle mit „Bad Banks“ den Beweis dafür, dass auch öffentlich-rechtliches Fernsehen Serien produzieren kann, die sich mit ihrer Ästhetik und in ihrem Erzähltempo nicht vor der internationalen Konkurrenz verstecken müssen. Der Finanz-Thriller um Investmentbanker, die ihr Gewissen auf dem Altar der Macht opfern, endete mit einer riesigen Banken-Pleite in Frankfurt.
Staffel zwei setzt sechs Monate nach der Rettung der Deutschen Global Invest durch die Bundesregierung ein. Und da sind sie wieder: die ehrgeizige Karrieristin Jana Liekam (Paula Beer) und ihre Gefährten Adam (Albrecht Schuch) und Thao (Mai Duong Kieu), die ihre Schwarzgeldmillionen auf Mauritius versteckt halten. Ihr Vorgesetzter Gabriel Fenger (Barry Atsma) bezahlt die Zeche für die Verfehlungen seiner Kollegen im Knast, während die Luxemburger Investmentbankerin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) und Banken-Chef Quirin Sydow (Tobias Moretti) ihre Köpfe machtbewusst über Wasser halten.
Geläutert ist keiner nach der Krise. Im Gegenteil: An der Börse wird weiterhin gegen die eigenen Kunden gewettet, und Schrottpapiere wandern in geschönte Anleger-Fonds. Und dann lauert da auch noch Fenger, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis so manche Rechnung begleichen möchte.
Drehbuchautor Oliver Kienle verdichtet in Staffel zwei die Intrigen und legt noch eine Schippe Dramatik drauf: Es wird gelogen, gekokst, geprügelt, gevögelt und ja, sogar gemordet. Für große Bestürzung sorgt das atemlose Gerangel beim Zuschauen nicht – vielleicht, weil hier alle Charakterschweine sind und jeder gegen jeden ist. Echte Empathie entwickelt man für kaum eine der Figuren. Und trotzdem haben die neuen Episoden, die Regisseur Christian Zübert optisch sehr ansprechend inszeniert, die Faszination eines subtilen Schachspiels. Wer ist als Nächstes am Zug? Wer ist bereit, das größte Opfer zu bringen? Und wer errät am Ende die Strategie seiner Mitspieler?
Dramaturgisch ist das clever gestrickt. Schade nur, dass so manche interessant aufgebaute Nebenfigur zum Bauernopfer wird. Wie der attraktive Jung-Unternehmer Ben Kaufmann (überzeugend gespielt von Resi-Schauspieler Noah Saavedra), der nach seiner Pleite und einer Liaison mit Jana sang- und klanglos in der Psychiatrie verschwindet. Wer schwächelt, bleibt in diesem System eben auf der Strecke.
Sehenswert ist die zweite Staffel von „Bad Banks“ aber allemal. Autor Oliver Kienle entwirft nach aufwendiger Recherche und dank „Insider“-Wissen ein durchaus realistisches Bild von Gier und Größenwahn. Eines, so viel sei ohne zu spoilern verraten, das auch nach der letzten Episode noch lange nicht vollendet ist.