„Das ist keine Torte, das ist ja ein Sarg“, ruft Schauspieler Leonard Lansink. Um dann beherzt mit Kollegin Rita Russek das Buttercreme-Backwerk anzuschneiden, auf dem der Schriftzug prangt: „25 Jahre Wilsberg“. Das Jubiläum der ZDF-Krimireihe, in der Lansink den gleichnamigen Antiquar und chaotischen Privatdetektiv spielt, feiern der 64-Jährige sowie viele derzeitige und frühere Mitstreiter mit einer Party in Hamburg.
Begonnen hat alles 1995 mit einem „Fernsehfilm der Woche“ namens „Wilsberg: Und die Toten lässt man ruhen“. Als Ermittler agierte damals Joachim Król. Erst drei Jahre später wurde daraus eine Reihe mit dem bodenständigen Sympathieträger Lansink als Ermittler.
Der Schauspieler hat die Episoden einmal „Lagerfeuergeschichten“ genannt. Hat sich der Titelheld im Laufe der Jahre verändert? „Ich glaube schon, dass er ein bisschen freundlicher und zugänglicher geworden ist. Am Anfang war er ruppiger“, sagt er, „und er raucht schon seit vielen Jahren nicht mehr“.
Der Humor, der fast familiäre Charakter der liebenswerten Figuren sowie Kriminalfälle, die oft aktuelle Themen aufgreifen: Das macht den „Wilsberg“-Charme aus – und der kommt beim Publikum an. Die Zuschauerzahlen sind hervorragend. Anfang 2018 erreichten sie beim Fall „Morderney“ mit acht Millionen ihr Allzeithoch.
Ein Ende von „Wilsberg“ ist nicht abzusehen. Dafür zieht es den Detektiv im Jubiläumsfilm „Wellenbrecher“, der an diesem Samstag um 20.15 Uhr im ZDF läuft, wieder auf die Insel des großen Erfolgs von 2018, nach Norderney. Dort wurde der Immobilienbesitzer Folkerts tot aufgefunden. Die Anwältin Tessa Tilker (Patricia Meeden) braucht Wilsbergs Expertise in Sachen Erbrecht. Der hat gegen ein bezahltes Insel-Wochenende nichts einzuwenden. Nach dem Drehbuch von Stefan Rogall hat der Regisseur Sven Nagel das Geschehen einmal mehr flockig-unterhaltsam, aber auch jubiläumsmäßig aufregend in Szene gesetzt.
Auf der Insel trifft Wilsberg abermals auf Kollegen der ZDF-Reihe „Friesland“: Hauptkommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) und Hobby-Forensikerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg). Die Hinterbliebenen des Toten verhalten sich merkwürdig im Streit um das Millionenerbe. Für ordentlich Verwirrung sorgen dazu all die vielen vertrauten „Wilsberg“-Gesichter.
Lansink zieht eine durchweg positive Zwischenbilanz seines langen Engagements. „Das ist wie ein Lottogewinn mit vielen guten Nebenwirkungen.“ So habe ihm die Rolle finanzielle Unabhängigkeit beschert. „Das Beste, was einem Schauspieler passieren kann, ist doch, keine Rolle mehr nur wegen des Geldes annehmen zu müssen“, erklärte der 64-Jährige. „Was mir außerdem sehr gut gefällt“, fügte er augenzwinkernd hinzu, sei, dass die Pott’s Brauerei im münsterländischen Oelde ihn zum Ehrenbraumeister ernannt hat. Und nicht zuletzt lernte Lansink in Münster seine Frau, eine Juristin, kennen.