Er wagte – und gewann

von Redaktion

Der Münchner Medienunternehmer Hubert Burda feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag

VON ANNA RINGLE UND RUDOLF OGIERMANN

„Ich kam mir vor wie in einem großen Atelier. Dessen kreativer Geist sollte schon bald die größten Veränderungen der Medienwelt hervorbringen.“ Hubert Burda beschreibt hier in seinem Buch „Digitale Horizonte“ Eindrücke von der amerikanischen Westküste in den Neunzigern, von der Film- und der Musikindustrie und dem neuen Beruf des Programmierers. Es gab kein Facebook, es gab keine Smartphones, doch die anbrechende digitale Welt zog Burda in ihren Bann. Heute ist er ein mächtiger Verleger, der die alte wie die neue Welt der Medien verbindet. Am Sonntag wird er 80 Jahre alt.

Mit dem Namen Burda verbindet man das Nachrichtenmagazin „Focus“, die Zeitschrift „Bunte“, das Mode-magazin „Burda Style“, das Hochglanzmagazin „Elle“, die vor allem im Osten beliebte Wochenzeitschrift „Superillu“. Imageprägend für seinen Verlag ist auch die glamouröse Medienpreisgala „Bambi“. Hubert Burda brachte einen großen Gestaltungswillen in das Verlagsgeschäft mit. Nach einer Erbteilung mit seinen Brüdern Franz und Frieder übernahm er in den Achtzigerjahren die Geschäfte mit 15 Zeitschriften. Er machte aus dem Verlagserbe seiner Eltern Aenne und Franz Burda einen international agierenden Konzern mit mehr als 12 000 Mitarbeitern. Im Jahr 2018 erwirtschaftete die Hubert Burda Media Holding nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,66  Milliarden Euro.

Begonnen hatte alles im Jahr 1903 mit Burdas Großvater und einer kleinen Druckerei im baden-württembergischen Offenburg. Noch immer ist das Medienhaus zu 100 Prozent in Familienbesitz. Hubert Burda ist Eigentümer zusammen mit seinen Kindern Jacob Burda (30) und Lisa Furtwängler (28) aus seiner Ehe mit der Schauspielerin Maria Furtwängler (53). Im „Spiegel“ beschrieb Furtwängler ihren Mann als „einen extrem starken und selbstbewussten Mann, in dessen Schatten man leicht zum Umfeld wird, zum Satelliten“.

Privat musste Burda auch einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Sein Sohn aus erster Ehe, Felix Burda, starb 2001 mit erst 33 Jahren an Darmkrebs. Mit seiner früheren Frau Christa Maar gründete Burda daraufhin eine Stiftung, die den Namen des Sohnes trägt und sich für den Kampf gegen diese Erkrankung stark macht.

Inspiration holte sich Burda, der in Heidelberg geboren wurde, in der Kunst und der Literatur. Der Schriftsteller Peter Handke und der Pop-Art-Künstler Andy Warhol gelten beziehungsweise galten als Freunde der Familie. Burda studierte Kunstgeschichte und schloss sein Studium mit der Promotion ab. „Als Kunstgeschichtler tut man sich vielleicht in dieser Welt der Bilder leichter“, beschrieb er im Interview mit unserer Zeitung sein Talent zum Blattmachen, und gestand: „Ich war nie ein großer Mathematiker.“

Der Medienmogul, der sich im Jahr 2010 von der operativen Unternehmensführung zurückzog, wagte vieles. Dabei ging auch einiges schief, beispielsweise das Männermagazin „M“ und das Boulevardblatt „Super!“. Im Jahr 1993 startete dann der „Focus“ – entgegen mancher Prognose wurde der Titel ein großer Erfolg für Burda und den langjährigen Chefredakteur Helmut Markwort. Auch das Portal „Focus Online“ schob Burda, der auch viele Jahre Chefredakteur der „Bunten“ gewesen war, schnell an. Die Technik, Bilder in Sekundenschnelle um die Welt zu schicken, „hat mich nicht mehr losgelassen“, erinnert er sich.

Mit den Jahren wandelte sich der Konzern, ohne sich vom – rückläufigen – Zeitschriftengeschäft zu verabschieden. Mehr als die Hälfte des Umsatzes brachten 2018 die Digitalmarken ein. Dazu zählen das Jobnetzwerk Xing, der Online-Reiseveranstalter Holiday Check und das Arztbewertungsportal Jameda. Aber auch das Gedruckte werde es immer geben – „wenn es richtig gemacht wird“, mahnt Burda. „Zur Orientierung und Einordnung ist es unverzichtbar.“ Die größte Gefahr im Journalismus sei, dass man nur etwas für die Kollegen, für die Branche, macht. „Ich lese sehr viele unserer Zeitschriften, und dann gibt’s schon mal Zettel von mir: ,Glauben Sie, dass das irgendjemanden interessiert?‘“

Seinen Kindern wünscht er, „dass sie den Verlag nicht besitzen. Sie haben wie ich etwas ererbt, das sie vermehrend weiterzugeben haben. Darin liegt viel Verantwortung.“

Artikel 2 von 3