Ein Abend der politischen Statements

von Redaktion

Publikumslieblinge rockten am Ende die diesjährige „Fastnacht in Franken“ aus Veitshöchheim

VON RUDOLF OGIERMANN

Bis Markus Söder bayerischer Landesvater wurde, war er beliebtes Opfer der Spötter bei der „Fastnacht in Franken“. Doch die Zeiten ändern sich. Für die Amorbacher Klostersänger beispielsweise, die den Abend eröffneten, ist Söder vom Saulus zum Paulus avanciert. Bei der diesjährigen Fernsehfastnacht am Freitagabend im unterfränkischen Veitshöchheim lächelte der CSU-Ministerpräsident huldvoll zu den Komplimenten, die ihm neuerdings gemacht werden. Ganz staatstragend hatte der 53-Jährige die vogelwilden Kostümierung schon im vergangenen Jahr gegen den Smoking getauscht, heuer hat er das Kleidungsstück noch um ein dezentes politisches Statement ergänzt, eine schwarzgrundige Fliege mit roten, gelben und grünen Punkten: „Bayern ist bunt – Demokraten halten zusammen. Auch im Fasching“, erklärte Söder dazu.

Die Fasenacht als Gelegenheit, ganz ernst Flagge zu zeigen – auch das ist neu im Zeitalter des Rechtspopulismus in in deutschen Parlamenten. Kein Wunder, dass sich viele der politischen Vorträge bei der Frankenfastnacht auf die veränderte Parteienlandschaft bezogen. Bis es allerdings mit Peter Kuhn als „englischem Gentleman“ das erste Mal zur Sache ging mussten die zahlreich angereisten Politiker aus dem Freistaat und die „normalen“ Zuschauer im Saal die eine oder andere Flaute überstehen. So blieb der Mesner von Klaus Karl-Kraus harmlos, für seine schwachen Witze über den Zeitgeist muss der Mann gewiss nicht zur Beichte gehen.

Auch Neuling Thomas Väth, der „Schmied aus Bischbrunn“, setzte eher auf Klischees, gab mehr oder weniger schwerfällige Witze über gemütliche Dicke zum Besten. Seine Mutter habe immer zu ihm gesagt: „Du bist so faul, wenn Du einmal heiratest, dann bestimmt eine Schwangere.“ Erst beim Lob des Nationalgetränks Unterfrankens nach der Melodie von „Butterfly“ („Frankenwein, o Frankenwein, jedes Glas von dir macht schön“) löste sich die Stimmung im Saal ein wenig. Auch von Oliver Tissot gab es nur ein paar müde Kalauer, politische Anspielungen wie „Früher waren die Schüler für Hitzefrei und nicht gegen die Klimaerwärmung“ kamen schräg. Publikumsliebling Ines Proctor als Chamäleon zwischen Putzfrau, Engel und Teufel setze mit Erfolg auf das alte Mann-Frau-Thema und bracht das Eis. Die Fahne der eher politischen fastnacht hielt Peter Kuhn hoch, der mit Schirm, Charme und Melone über die „Brexiteers“ um Boris Johnson ätzte („We have nothing am Hut with Karneval – aber Narren haben wir genug“). Er richtete das Augenmerk aber mit wohlkalkuliertem Understatement auf die deutsche Politik: „Lieber in Liverpool bekloppt als hier bescheuert!“). Noch ein Seitenhieb auf die ewige Kanzlerin („Die Queen ist ziemlich lang schon dran, bei Merkel fühlt sich’s auch so an.“), bevor sich Kuhn gegen das rauer gewordene gesellschaftliche Klima positionierte. Bei Hass und Hetze höre die Meinungsfreiheit auf, so Kuhn, der am Ende seines Vortrags Standing Ovations erhielt.

Damit nahm der Abend Fahrt auf, Publikumslieblinge wie Waltraud und Mariechen (verkauften Lotterielose), Michel Müller (gab Schnaps aus und überließ die Bons Finanzminister Albert Füracker), und der wie immer grandiose Sebastian Reich, diesmal mit Nilpferd Amanda und Glücksschwein Pic Nic sorgten für ausgelassene Stimmung.

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