Im zehnten ARD-„Polizeiruf 110“ aus Magdeburg sind die Zeiten, in denen sich Claudia Michelsen (51) als ewig aneckende Hauptkommissarin Doreen Brasch an ihren Partnern rieb, vorbei. In „Totes Rennen“ geht sie am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten solo auf Verbrecherjagd und muss im Milieu der Sportwettenfans den Tod eines pleite gegangenen Spielsüchtigen aufklären. Regie führte Torsten C. Fischer, in weiteren Rollen sind unter anderen Michael Maertens und Martin Semmelrogge zu sehen. Seit 2013 ist Michelsen den Tätern auf der Spur, seit damals hat sich ihre Figur sehr gewandelt. „Spannend ist tatsächlich auch für mich, wie sich Brasch entwickelt hat“, sagt Michelsen im Interview.
Doreen Brasch macht in der aktuellen „Polizeiruf 110“-Folge eine offensichtliche Wandlung in ihrer Persönlichkeit durch und läuft zu Hochform auf. Zwar ermittelt sie immer noch recht resolut, doch es sind mittlerweile auch Emotionen im Spiel. Solo steht ihr gut, oder?
Im Moment finden wir alle, es ist konsequent und richtig so. Die Hauptdarsteller sind die jeweiligen Geschichten und ihre Figuren. Und Brasch setzt sich jeweils dazu ins Verhältnis. In „Totes Rennen“ ist es noch ein wenig anders, weil Brasch selbst in eine sie überfordernde Grenzsituation gerät. Aber spannend ist tatsächlich auch für mich, wie sich Brasch entwickelt hat. Am Anfang war ja das Konzept, damals noch mit Sylvester Groth als Jochen Drexler, zwei verschrobene, nicht sozialisierbare Figuren aufeinander loszulassen. Brasch war eckiger.
Dann ist Groth nach nur fünf Folgen ausgestiegen…
Ja, mit dem Weggang von Sylvester hat sich schon einiges verändert. Das ist wie im Leben, Verlust verändert einen. Oder eine Position ist besetzt, zum Beispiel die eines manchmal aufbrausenden Kollegen Dirk Köhler, gespielt von Matthias Matschke. Man sucht sich die Position, die frei ist. Auch das ist wie im Leben. Ich habe Doreen Brasch aber immer schon als einsame Reiterin empfunden, die manchmal auch geradewegs in Rettungsaktionen reinrasselt. Eine Frau, die eigentlich sehr weich und einsam ist, aber eben auch mal auf dicke Hose macht, wenn es sein muss.
Wie viel Doreen Brasch steckt in Claudia Michelsen?
Es fällt mir schwer, das zu beschreiben. Aber vielleicht ist es das Direkte, dass man gerade heraus sagt, was einem auf dem Herzen liegt.
Gehört der Sonntagskrimi für Sie zu einem guten Wochenausklang dazu? Schauen sie regelmäßig den „Polizeiruf 110“ oder den „Tatort“?
Ich schaue tatsächlich sehr gern und regelmäßig die Arbeiten der Kollegen an, aber meistens findet das nicht direkt am Sonntagabend statt. Da gibt es bei uns also kein Ritual zum Wochenausklang, nein.
Sie ermitteln nunmehr seit sieben Jahren in Magdeburg. Wie vertraut ist Ihnen die Stadt mittlerweile und was mögen Sie am liebsten und was nicht?
Inzwischen tatsächlich schon sehr vertraut, vor allem gibt es einige Leute, auf die ich mich jedes Mal freue. Und dazu kommt natürlich, dass auch hier die Elbe fließt. Ist ja nicht ganz unwichtig für mich als Dresdnerin.
Was hält das Jahr 2020 bereit? Worauf können sich Fans freuen?
Das erste Halbjahr ist tatsächlich sehr voll mit Dreharbeiten für „Ku’damm 63“, zwei Mal Dreh in Magdeburg für weitere „Polizeirufe“, eine Produktion mit Jan Georg Schütte und vielen Lesungen. Dann gibt es eine Sommerpause, und für den Herbst gibt es verschiedene, sehr spannende Überlegungen. Da haben wir uns noch nicht entschieden. Das verrate ich beim nächsten Mal.
Das Gespräch führte Sabrina Gorges.